Die Hüter der Gewürze

… oder warum Salz kein Gewürz ist.

Es gibt ja Menschen, denen zum Würzen Salz und Pfeffer genügen, und das auch noch in homöopathischen Dosen. Mir ist das zu langweilig. Ich bin ein absoluter Kräuter- und Gewürzefan. Kein Salat kommt ohne Kräuter auf den Tisch, und wenn man meinen Gewürzschrank öffnet, kann es sein, dass einem eine Gewürzdose oder ein -glas entgegenkommt, weil er wieder einmal überfüllt ist. Da finden sich Gewürzmischungen für feuriges Harissa oder herb-würziges Baba Ghanoush und natürlich Curry (ein guter Curry muss es sein!). Das meiste jedoch sind Einzelgewürze, die ich bei der Zubereitung selbst unter die Speisen mische. Eine Prise hiervon und eine Messerspitze davon lassen das gleiche Gericht immer ein wenig anders schmecken. Ich habe natürlich meine Lieblingsgewürze: gemahlener Koriander ist eines davon. Sein zarter Duft verfeinert Fleisch und Gemüse gleichermaßen. Oder was wäre Kartoffelpüree ohne eine Prise Muskat – frisch gerieben, versteht sich! Tatjanas Freundinnen wissen, dass sie mir mit einem Gewürz als Mitbringsel von einer Reise eine Riesenfreude machen können. Vielen Dank noch einmal, Wibke, für die Vanillestangen aus Reunion, und Beate, für die Gewürze aus Dubai.
Wisst Ihr, wie Gewürze vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in ihren Leitsätzen offiziell definiert werden?
„Gewürze sind Blüten, Früchte, Knospen, Samen, Rinden, Wurzeln, Wurzelstöcke, Zwiebeln oder Teile davon, meist in getrockneter Form.“
Salz zählt deshalb nicht zu den Gewürzen.
Weiter heißt es: „Gewürzmischungen sind Mischungen, die ausschließlich aus Gewürzen bestehen.“ Das gefällt mir; damit kann ich etwas anfangen.
Dort gibt es aber noch mehr: „Gewürzzubereitungen oder Gewürzpräparate sind Mischungen von einem Gewürz oder mehreren Gewürzen mit anderen geschmackgebenden und/oder geschmackbeeinflussenden Zutaten, auch mit technologisch notwendigen Stoffen. Sie enthalten mindestens 60 Prozent Gewürze. Zusätzlich werden auch Gewürzaromen verwendet.“
Das hört sich für mich als kritische Verbraucherin gar nicht gut an. Was, bitte, sind denn „andere geschmackgebende und/oder geschmackbeeinflussende Zutaten“ anderes als synthetisch hergestelltes Glutamat, Hefeextrakt oder Aromen! So etwas möchte ich grundsätzlich nicht in meinem Essen haben. Außerdem bin ich sowieso der Meinung, dass man eine Speise auch ohne die eben genannten „Zutaten“ lecker würzen kann. Auch die „technologisch notwendigen Stoffe“ (was immer das auch sein mag) benötige ich mit Sicherheit nicht, um mich gesund und ausgewogen zu ernähren.
Gewürzsalze sind Mischungen von Speisesalz mit einem Gewürz oder mehreren Gewürzen und/oder Gewürzzubereitungen/Gewürzpräparaten, auch unterVerwendung von Würze. Sie enthalten mindestens 15 Prozent Gewürze (außer bei Knoblauch) und mehr als 40 Prozent Speisesalz.“
Das bedeutet, dass ich hier nicht nur für die Gewürze bezahle, sondern auch für das zugefügte Speisesalz, das ich pur wesentlich preiswerter bekomme.
„Das Verhältnis von Speisesalz zu Gewürzen ist so bemessen, daß in der Regel weder Nachsalzen noch Nachwürzen mit den betreffenden Gewürzen erforderlich ist.“ Danke, liebes Bundesministerium, dass du es der Industrie überlässt, wie viel Salz für mich richtig ist!

 

Es geht noch weiter: „Gewürzaromazubereitungen sind Gewürzzubereitungen, bei denen die Gewürze teilweise oder vollständig durch Gewürzaromen ersetzt sind.“!!!
Das Gleiche trifft auf Gewürzaromasalze zu.
Würzmischungen sind feste oder flüssige Erzeugnisse, die überwiegend aus Geschmacksverstärkern, Speisesalz, verkehrsüblichen Zuckerarten oder anderen Trägerstoffen bestehen; sie können außerdem Würzen sowie Hefe, Gemüse, Pilze, Gewürze, Kräuter und/oder Extrakte daraus enthalten. Streuwürzen sind streufähige Würzmischungen.“
Die Leitlinien für Präparate mit würzenden Zutaten, für Würzen und Würzsoßen erspare ich mir und Euch.
Ich jedenfalls werde in Zukunft das Etikett genauer lesen und noch mehr auf die angegebenen Inhaltsstoffe achten, wenn ich wieder einmal vor dem Gewürzregal stehe und versucht bin, mich von einer phantasievollen Bezeichnung zum Kauf verführen zu lassen.
Hier nun ein Rezept, wie ich aus einem Rest Sauce Bolognaise ganz schnell und mit wenigen Gewürzen und Kräutern ein Chili con Carne zaubere:
Die Sauce Bolognaise erwärmen, Chili-Pulver nach Geschmack, etwas Cumin (das ist Kreuzkümmel, der nichts mit unserem bekannten Kümmel zu tun hat) und eine Dose abgetropfte Kidneybohnen hinzufügen. Zum Schluss etwas getrockneten Oregano zwischen den Fingern zerreiben und noch kurz in dem Chili con Carne ziehen lassen. Und schon kann serviert werden. (Wer möchte, kann natürlich auch noch eine klein geschnittene Paprikaschote in der Sauce weich dünsten und / oder eine Dose Mais mit erhitzen.) Guten Appetit.
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