Ein fast vergessener Alleskönner…

Bild

… und wie ein Sommercocktail ihn wieder ins Bewusstsein brachte

Bis vor ein paar Jahren fristete der Holunder ein Schattendasein. Bei unseren Vorfahren war das noch ganz anders: Die Kelten verehrten den Holunder sogar als heilige Pflanze. Bei den Germanen war er der Göttin Holle geweiht, der die Brüder Grimm in ihrem Märchen ein Andenken geschaffen haben. Sie wurde besonders in Bayern, Schwaben und im Elsaß als Hausgöttin verehrt, die Krankheiten heilen konnte. Die Opfer ihr zu Ehren wurden immer unter Holunderbüschen dargebracht. Seit Tausenden von Jahren kannte man die Heilkraft des Holunders. Die Menschen nutzten jeden Teil der Pflanze: die Blüten, Beeren, Blätter sowie die Rinde und auch die Wurzel. Erst die synthetisch hergestellten Medikamente verdrängten ihn wie viele der anderen alten Volksheilmittel. Eine Tablette zu schlucken ist ja auch viel einfacher, als Blüten und Beeren zu sammeln, zu verarbeiten und Saft oder Tee daraus zu kochen!
Mit dem größer werdenden Nahrungsangebot geriet der Holunder vielerorts auch als Nahrung in Vergessenheit. So veröffentlichte Henriette Davidis in ihrem berühmten Kochbuch, Ausgabe 1891, nur ein einziges Rezept, nämlich Holundermilch, eine Kaltschale, die mit Holunderblüten aromatisiert wurde. Sie schrieb dazu: „Die Holundermilch findet nur bei einzelnen Beifall, im allgemeinen wird der Holundergeschmack gescheut.“ Das war in Süddeutschland und Österreich anders: Im „Regensburger Kochbuch“ von Marie Schandri aus derselben Zeit finden wir drei Rezepte, angefangen mit Holunderküchleindie ebenfalls mit den Blüten hergestellt werden, zu Holundermus und -suppe aus den Beeren. Die Holundersuppe wird übrigens auch als „Fastensuppe“ angegeben. Marie von Rokitansky veröffentlichte in ihrem Kochbuch „Die Österreichische Küche“ von 1897 sogar vier Rezepte.
Ich kenne den Holunder auch noch aus meiner Kindheit in Bayern: Holunderblütenküchlein im Frühjahr waren ein billiges und schnelles Essen auf dem Land. Bei Erkältungskrankheiten musste ich manchmal einen Tee aus getrockneten Holunderblüten trinken. Wie bei allen „gesunden“ Tees tat ich auch dies nicht gerade mit Begeisterung. Ganz schrecklich schmeckte Holundersaft aus den Beeren, der ebenfalls als außerordentlich gesund galt. In der Alpenregion ist aber vor allem der Holunderblütensirup mit seinem herrlichen Geschmack, selbstgemacht oder aus dem Supermarkt, ein beliebter Zusatz geblieben, um Leitungs- und Mineralwasser geschmacklich „aufzupeppen“. In Österreich gibt es sogar eine Weißweinschorle mit Holunderblütensirup: den „Kaiser-G’spritzten“; mit Sekt ist es ein „Holundersekt“.
Was liegt da näher, als auch damit herum zu experimentieren? Es verwundert daher nicht, dass der mittlerweile in ganz Deutschland bekannte „Hugo“ seine Geburtsstunde in den Alpen, genauer gesagt, wohl in Südtirol hat. Dort mixte 2005 Roland Gruber in seiner Sanzeno Wein- und Cocktailbar einen Cocktail aus Prosecco, Zitronenmelissesirup, Minze und Soda, den er „Hugo“ nannte. Schon bald wurde der Zitronenmelissesirup durch Holunderblütensirup ersetzt und trat seinen Siegeszug nordwärts an. Fand man ihn bis zum Jahr 2010 nur in Bayern und Österreich auf den Getränkekarten, ist er mittlerweile in ganz Deutschland, bis hinauf nach Sylt, das Modegetränk.
Nach der Markteinführung des Holunderblütenlikörs 2007 wurde der Holunder insgesamt praktisch wiederentdeckt und auch in die gehobene Küchenszene aufgenommen. Da gibt es Holunderblütensauce, gelierte Holunderblüten, Wild mit Holundersauce, raffinierte Brotaufstriche, Holunderessige, Kuchen und Torten mit Holunder usw., usw. Henriette Davidis würde sich die Augen reiben!
Advertisements

Hollerküchle

Bild

Oder auf Hochdeutsch: Holunder-Küchlein

Eigentlich wollte ich Euch heute ein Rezept für einen erfrischenden Eistee vorstellen. Allerdings regnet es hier wie aus Eimern, daher bevorzuge ich Tee heute eher in heißer Form.

Die Hollerküchle sind aber bei jedem Wetter lecker und mit ihrem süßen blumigen Geschmack heben sie auf jeden Fall die Stimmung. 🙂

Eigentlich eine ganz traditionelle Leckerei – in großen Teilen Deutschlands aber bereits in Vergessenheit geraten. Aber nicht bei uns, denn diese Küchlein haben einen feinen und ganz besonderen Geschmack!

Ihr braucht:

12 große Blütendolden

1 EL Butter

100 g Mehl

2 EL Zucker

Salz

150 ml Bier

50 ml Wasser

1 Ei

Öl

Die Blütendolden kräftig ausschütteln und nach Insekten auslesen.

Dann die Butter schmelzen, das Mehl, den Zucker und das Salz mischen. Das Ei trennen (das Eiweiß auffangen), und Butter und Eigelb unter die Mehlmischung ziehen. Das Bier und das Wasser dazugeben und alles eine halbe Stunde bei Zimmertemperatur quellen lassen.

Dann das Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen und unter den Teig heben.

Das Öl erhitzen – es muss richtig heiß sein, macht am besten die Probe mit einem Holzlöffel. Wenn sich am Stiel Bläschen bilden, ist die Temperatur richtig.

Die Blütendolden in den Teig tunken, kurz abtropfen lassen und im heißen Fett goldbraun ausbacken. Achtung, unbedingt dabei stehen bleiben, die Blüten benötigen nur eine kurze Zeit im Öl.

Bild

Auf einem Küchentuch abtropfen, ggf. mit Puderzucker oder Zimt bestreuen und genießen 🙂

Bild

Spargel vom Grill mit Holunderblüten

Bild

Und schon folgt der zweite Beitrag unseres Holunderblüten-Specials. Nachdem der letzte Post einen Klassiker enthielt, geht es heute nun mit etwas Neuem weiter.

Ich hatte mich gefragt, ob man Holunderblüten auch in herzhaften Gerichten verwenden kann. Und die Antwort ist ein klares Ja!

Dieses Gericht eignet sich toll als Beilage beispielsweise zu einem gegrillten Lammkotelett (wie in unserem Fall) oder natürlich auch als vegetarische Grill-Alternative für diejenigen, die kein Fleisch essen.

Und was mir grade durch Zufall auffällt: Vegan ist es auch noch. Unbeabsichtigt zwar, aber schaden kann es ja auch nicht. 🙂

Die knackige Frische des Spargels mit der Säure der Zitrone harmoniert super zu dem leicht süßen, vanilligen Aroma der Holunderblüten.

Und noch dazu ist es ganz schnell und einfach – und mit ganz wenigen Zutaten – gemacht.

Ihr braucht:

Je ein Bund grünen und weißen Spargel

1/2 Zitrone

Olivenöl

2 Zehen Knoblauch

Salz und Pfeffer

2 Dolden Holunderblüten

Den weißen Spargel komplett und den grünen an den holzigen Stellen schälen.

Zwei große Blätter Alufolie abreißen und den Spargel gleichmäßig darauf verteilen – übrigens: Die matte Seite der Alufolie gehört beim Grillen nach außen, die glänzende nach innen. So sammelt sich die Hitze im Alufolien-Päckchen 🙂

Den Spargel mit Olivenöl beträufeln, mit Salz und Pfeffer würzen.

Die Zitronen in Achtel schneiden, auf den Spargel legen. Den Knoblauch schälen, die Zehen halbieren und je eine Zehe ebenfalls zu dem Spargel geben.

Die Holunderblütendolden kräftig ausschütteln, nach Insekten auslesen und auch oben auf den Spargel legen.

Bild

Dann die Alufolie-Päckchen gut verschließen und ca. 15 bis 20 Minuten grillen. (Alternativ lassen sie sich natürlich auch im Ofen zubereiten.)

Und dann genießen 🙂

Bild

Ach ja, die gegrillten Holunderblüten nimmt man vor dem Essen ab. Mitessen ginge bestimmt auch, schmeckt aber vielleicht ein bisschen trocken und bitter 😉

Holunderblüten-Sirup

Bild

Wie bereits angekündigt, beginnt nun unser Holunderblüten-Special. Los geht’s mit dem Holunderblüten-Klassiker schlechthin: Holunderblüten-Sirup.

Wer die letzten Beiträge aufmerksam gelesen hat, hat erfahren, dass ich Sirup liebe (weil man ihn in Sekt kippen kann). Und ich mag so ziemlich alles, was sich in Sekt kippen lässt – oder alternativ auch in Mineralwasser. 🙂 Habt ihr schon einmal versucht, ca. 1 EL TK-Waldbeeren in einem Glas mit Sekt aufzugießen? Ein Traum. Aber ich schweife ab.

Zurück zu meinem geliebten Holunder. Zur Ernte muss ich nicht mal auf die Suche gehen, bei meinen Eltern im Garten steht ein großer Baum. Was läge da also näher, als Holunderblüten-Sirup anzusetzen? Eben!

Jedes Jahr muss ich mich dazu zwingen, ca. die Hälfte der Blüten stehen zu lassen, damit ich im Spätsommer auch noch Beeren ernten kann. Daraus lassen sich auch traumhafte Dinge herstellen.

Aber hier kommt nun erst einmal das Rezept für den Holunderblüten-Sirup.

Ihr braucht:

ca. 20 schöne große Blütendolden

2 Liter Wasser

1,5 kg Zucker

2 Zitronen

Zunächst kocht ihr das Wasser und den Zucker ca. 10 Minuten sprudelnd zu einem Sirup ein. In der Zwischenzeit könnt ihr die Blüten kräftig ausschütteln und ggf. Insekten auslesen (ja, auch die lieben das Aroma der Blüten).

Dann die Zitronen auspressen, den Saft auffangen und die ausgepressten Hälften mit zum Sirup geben.

Den Topf von der Herdplatte nehmen und die Blüten und den Zitronensaft zu dem Sirup geben.

Bild

Jetzt heißt es warten. Ich lasse den Topf zugedeckt immer ca. 1 Woche stehen. Am besten an einem kühlen und dunklen Ort.

Dann den Sirup durch einen Kaffeefilter abgießen, noch einmal sprudelnd aufkochen und in sterilisierte Flaschen abfüllen.

Bild

Yummy 🙂 Ein paar Tipps, was Ihr damit so alles anstellen könnt, bekommt Ihr in einem der nächsten Beiträge. 🙂

Holunderblüten-Special 2014

Bild

 

Der Holunder

An einem weißen Holda-Strauch,
mit Götter-Doldenblüten,
da reift ein federleichter Hauch,
um Menschen zu behüten.

Der Holler wächst mit Wunderkraft,
in weichen Flötentönen,
er zaubert holden Beerensaft,
um Früchte zu verschönen.

So manche Hexe zieht kein Hut,
sie bricht ihn für den Besen,
und braut aus vollem Übermut,
das Leid für „arme Wesen.“

Doch wer am nahen „Zauber“ ruht,
verfällt dem Glanz der Träume,
dem geht es ganz und gänzlich gut,
im Schutze – der Holunderbäume.

© Gabriela Bredehorn

Wer mich kennt, weiß, dass der Holunder zu meinen absoluten Lieblingspflanzen gehört. Er ist behaftet mit Mythen und Märchen, schenkt uns gleich zwei Mal im Jahr eine Ernte und alle seine Teile – Blüten, Beeren und Blätter – lassen sich in der Küche verwerten – und tun unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden gut.

Jetzt im Mai und Juni ist die Zeit der Holunderblüten. Sie sehen wunderschön aus, duften betörend und haben ein sanftes, aber ganz spezielles Aroma.

Kein Wunder also, dass wir ihnen ein eigenes Special widmen. Freut Euch in den nächsten Wochen also auf vielfältige Informationen, Tipps und Rezepte.

Aprikosenkonfitüre ganz klassisch

Am Montag entdeckte ich bei Aldi reife und aromatische Aprikosen zu einem für die Jahreszeit durchaus annehmbaren Preis. Mein Mann bekam leuchtende Augen, denn er liebt Aprikosenmarmelade. (Die korrekte Bezeichnung ist natürlich Aprikosenkonfitüre.) Also nahm ich ein Schälchen mit und kochte daraus die erste Aprikosenkonfitüre dieser Saison.
Das geht ganz einfach:
Einen Topf mit Wasser zum Kochen bringen.
Die Aprikosen hineingeben und 1 – 2 Minuten darin lassen, dann herausnehmen und kurz mit kaltem Wasser abschrecken.
Nun lässt sich die Haut ganz leicht abziehen. Danach die Früchte halbieren, den Stein entfernen und das Fruchtfleisch in Stücke schneiden.
Das Fruchtfleisch wiegen und dieselbe Menge an Gelierzucker 1:1 dazugeben. Alles gut verrühren.
Die Masse in einem Topf zum Kochen bringen, 3 Minuten unter Rühren sprudelnd kochen lassen.
Ein Schuss frisch gepresster Zitronensaft, zum Schluss hinzugefügt, hebt das Aroma.
Die fertige Konfitüre in penibel saubere Twist-off-Gläser füllen und gut verschließen. Fertig.
Bild
Ich koche während der kurzen Aprikosensaison immer einen ganzen Jahresvorrat, denn die selbstgemachte Aprikosenkonfitüre behält ihr Aroma etliche Monate lang und schmeckt außerdem viel besser als die gekaufte. Allerdings reicht unser „Jahresvorrat“ nie wirklich für ein ganzes Jahr, so dass wir jedes Mal schon ungeduldig auf die neue Ernte warten.
Mein Mann sah heute Morgen jedenfalls ganz glücklich aus, als er in sein Frühstücksbrötchen mit der neuen „Aprikosenmarmelade“ biss.

Avocado-Erdbeer-Salat mit Ingwer-Dressing

Avocado – gar nicht langweilig

Wie so manchen von Euch ist es auch mir ergangen: erst vor kurzem habe ich die Avocado für mich entdeckt. Na ja, nicht von selbst, sondern unsere Freunde aus Neuseeland und auch Tatjana haben mich immer wieder darauf hingewiesen, bis ich sie doch endlich einmal probiert habe. Die jungen Leute tun sich eben leichter damit, Neues zu testen und zu übernehmen. Ich muss gestehen, Guacamole, die man ja üblicherweise aus der Avocado macht, war für mich nicht unbedingt das geschmackliche Non-Plus-Ultra. Doch weil die Avocado ja so gesund sein soll, habe ich nach anderen Rezepten „gefahndet“ und bin fündig geworden. Und was soll ich Euch sagen: man kann ganz feine Leckerbissen daraus zubereiten. Die folgende Vorspeise, die ich auf chefkoch.de entdeckt habe, ist zwar schnell und einfach gemacht, gehört für mich aber schon zur gehobenen Küche.
Avocado-Erdbeer-Salat mit Ingwer-Dressing. Ich habe ihn ausprobiert und war begeistert.
Hier das Rezept für 4 Personen:
Zunächst 5 EL Pinienkerne (oder wie in unserem Fall Salatkerne) in einer Pfanne ohne Öl goldgelb rösten und abkühlen lassen.
1 Zitrone auspressen. Den Saft mit 1 EL Honig und 2 Messerspitzen frisch geriebenem Ingwer in einer Schüssel verrühren. (Wer Ingwer nicht mag, kann ihn zwar weglassen, aber dann fehlt das gewisse Extra. Ein Hauch Ingwer sollte schon vorhanden sein).
Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
3 Avocados halbieren, den Kern entfernen, noch in der Schale in Stücke schneiden, diese mit einem Löffel herausheben und zum Dressing geben.
1 Schälchen Erdbeeren putzen und halbieren oder vierteln. Ebenfalls dazugeben und alles vorsichtig mischen.
Die Pinienkerne bis auf ein paar, die zur Deko verwendet werden, unter den Salat mischen.
Den Avocado-Erdbeer-Salat auf grünem Salat portionsweise entweder in Gläsern oder auf Tellern anrichten. Mit den restlichen Pinienkernen bestreuen.
Bild
Diesen außergewöhnlichen Salat werde ich unseren Freunden aus Neuseeland bei ihrem Besuch im Sommer servieren und ganz bestimmt große Begeisterung ernten.
Bild
Oder wie wär es als Vorspeise zum Muttertagsmenü? Ich wäre entzückt!
Wir zwei haben uns einen Spaß gemacht und auf verschiedene Weisen angerichtet. Welche Version gefällt Euch besser? – Oder würdet Ihr es ganz anders machen? 🙂

Waldmeisterträume

Ich liebe Waldmeister. Den Duft, die hübschen kleinen Blüten, den Geschmack. Uuuund: Er wächst sogar bei uns im Garten. Da es ihn allerdings nur ein paar Wochen im Frühjahr gibt, verpasse ich meistens, ihn zu ernten. Dies Jahr habe ich aber dran gedacht. Tschaka!

Bild

Und mich für die Zubereitung eines Waldmeister-Sirups entschieden. Weil man den in Sekt (oder im Notfall auch in Mineralwasser) kippen kann. Ich liebe Sekt mit Sirup. Holunderblütensirup, Holunderbeerensirup, Apfel-Ingwer-Sirup… Und jetzt eben noch Waldmeister-Sirup.

Und so gehts:

30 g Waldmeister (am besten über Nacht trocknen und leicht anwelken lassen, dann hat er am meisten Aroma)

200 g Zucker

500 ml Wasser

1/2 (Bio)-Zitrone

Wasser und Zucker ca. 10 Minuten zu einem klaren Sirup kochen. Die Zitrone ggf. waschen und in Scheiben schneiden.

Den Waldmeister und die Zitronenscheiben in ein mit kochendem Wasser ausgespültes gut verschließbares Glas geben, mit dem heißen Sirup aufgießen.

Ich habe den Sirup eine Woche lang auf die Fensterbank gestellt und dann durch einen Kaffeefilter gesiebt und in sterilisierte Flaschen gefüllt.

Bild

Yummy! 🙂