Kulinarische Impressionen in Bayern Teil I

Es ist schon seltsam: Immer wenn ich nach Bayern komme und eine Bäckerei betrete, bekomme ich Appetit auf Hefeteig-Gebäck mit Mohn- oder, noch besser, mit Nussfüllung. Schließlich wird es hier in fast jeder Bäckerei oder Konditorei angeboten.

Vielleicht verbinde ich es aber auch unbewusst mit meiner Kindheit in Bayern. Bei unserem Dorfbäcker gab es so wunderbar saftige Hörnchen aus Hefeteig mit einer Nussfüllung, wie ich sie später wohl nie mehr gegessen habe. Vielleicht ist es die Suche nach diesem Geschmack, der mich dann immer wieder schwach werden lässt, vielleicht aber auch die Suche nach der verlorenen Kindheit.

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Ganz häufig bin ich jedoch enttäuscht von der Qualität des Hefeteigs, denn man sieht es dem Gebäck ja nicht an, wie es schmeckt. Ich bin wohl der irrigen Meinung, dass jeder bayerische Bäcker automatisch guten Hefeteig backt, und werde doch häufig vom Gegenteil belehrt. Auch hier haben wohl mittlerweile die Fertigteig-Mischungen Einzug gehalten.

Zu Hause weiß ich, welcher Bäcker was besonders gut kann. Aber im Urlaub muss man erst herausfinden, wer gutes Brot und wer gute Brötchen backt und wo es leckeres süßes Gebäck gibt – falls man überhaupt die Möglichkeit dazu hat. Denn auf dem Land gibt es nun einmal nicht dieselbe Auswahl wie bei uns in der Großstadt.

Gestern hatten wir Glück: wir fanden einen Hefezopf mit Quark, der so saftig ist, wie Hefeteig für mich sein muss. Ich habe auch schon eine Idee, wie der Quark darin verarbeitet ist: Er scheint darin „eingestrudelt“ zu sein, denn bei manchen Bissen schmeckt man ihn noch ganz deutlich heraus.

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Derselbe Bäcker hat auch noch andere Dinge, die ich seit Kindertagen nicht wieder gesehen und gegessen habe: Granatsplitter. Das waren bei uns Biskuitreste mit Tortencreme zu einem Gebilde wie eine Bergspitze zusammengefügt und dann mit Schokoladenglasur überzogen. Wenn wir damals 50 Pfennig hatten, konnten wir uns einen solchen Granatsplitter kaufen. Das war dann das Allerhöchste der Genüsse.

Ich konnte nicht widerstehen und habe mir jetzt „in memoriam“ wieder einen gekauft. Er war natürlich nicht mit dem von damals zu vergleichen, aber trotzdem lecker. Jetzt ist mein Appetit auf Süßes hier im Urlaub wieder gestillt.

Doch etwas fehlt noch, was ich in Bayern und Österreich immer einmal essen muss: Apfelstrudel. 

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2 Kommentare zu “Kulinarische Impressionen in Bayern Teil I

  1. Mir geht es ganz ähnlich, manche Favoriten aus der Kindheit sind nicht mehr oder nur sehr schwer zu finden. Granatsplitter für 50 Pfennige kenn ich noch- die waren toll, wenn auch sehr reichhaltig für eine Person. Wir hatten einen Konditor, der machte Zitronenröllchen ohne Sahne (Bisquit mit Zitronencreme auf Maizenabasis) sehr gut!

    • Hallo Alex, ja, stimmt. Aber es ist doch dann umso schöner, wenn man wieder solche Kindheitserinnerungen findet. Bei mir sind es Brötchen mit Dickmanns, in Düsseldorf heißen sie Fortuna-Brötchen 🙂 Und die kann ich mir sogar zu Hause selbst machen 🙂

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