Kulinarische Impressionen in Bayern Teil II

Wir sind mittlerweile wieder zu Hause. Natürlich habe ich vor der Abreise noch meinen Apfelstrudel gegessen. Darauf hätte ich in diesem Jahr aber lieber verzichten sollen. Die heimischen Äpfel waren noch nicht reif, und so war die Füllung leider nur süß und ziemlich geschmacklos. Dabei liebe ich doch gerade das frische, säuerliche Aroma der ersten Äpfel! Letztes Jahr war der Apfelstrudel, den ich in Österreich gegessen habe, perfekt, denn wir waren einige Wochen später in Urlaub. Allerdings wäre alles andere eine Enttäuschung gewesen, denn den aß ich im Weißen Rössl am Wolfgangsee. Wenn ich dort schon einmal im Leben einkehre, musste ich doch das Klischee perfekt machen!
 
Wie die Österreicher sind auch die Bayern sehr traditionsbewusst. Das zeigt sich nicht nur in ihren Trachten und Festen, sondern auch in ihrer Küche. Ich habe den Eindruck, dass der Großteil der Gasthaus-Betreiber glaubt, der Gast möchte ausschließlich bayerisch essen, denn überall wird dafür geworben. Nun ist die bayerisch-österreichische Küche ja nicht eine der schlechtesten. Sie ist schmackhaft, deftig, fleischbetont (die Mehlspeisen natürlich ausgenommen), verhältnismäßig preiswert – und die Portionen sind riesig! Für die meisten Menschen sind das gute Argumente. Wir haben erst nach einiger Zeit herausgefunden, dass man fast überall auf Nachfrage kleinere Portionen bekommt, auch wenn es auf der Speisekarte nicht ausdrücklich vermerkt ist. Vegetarier und Veganer allerdings haben es zumindest in ländlichen Regionen schwer, im Restaurant abwechslungsreich zu essen. Gemüsegerichte sind wirklich Mangelware auf den Speisekarten, und wer möchte schon eine ganze Woche Käsespätzle im Wechsel mit Blattsalaten essen?
 
Das Konzept, ausschließlich auf die althergebrachte bayerische Küche zu setzen, scheint aber nicht mehr überall aufzugehen: wir haben nämlich auf unseren Ausflügen etliche Gasthäuser gesehen, die geschlossen waren. Im Gegenteil dazu entdeckten wir in Murnau ein indisches Restaurant, in dem „der Bär brummte“. Wir haben natürlich auch dort gegessen. Zum ersten lieben wir die indische Küche, und außerdem waren wir froh über die Abwechslung. Das Restaurant war voll, so dass der Kellner vor lauter Servieren kaum dazu kam, auch noch zu kassieren, während sich in den Gasthäusern drumherum, soweit wir es sehen konnten, der Andrang in Grenzen hielt. Cafés, die etwas pfiffiger daherkamen, waren ebenfalls voll, während die traditionellen meist eher mäßig besucht waren. Das ist übrigens bei uns am Niederrhein nicht anders als dort.
 
Im Tölzer Land haben sich schon vor mehr als zehn Jahren Gastwirte zu einer Gemeinschaft nach dem Vorbild der historischen „Tafernwirt“ zusammengeschlossen. Ihre Philosophie ist, Tradition und Brauchtum sowie bodenständige Gastfreundschaft mit guter und ehrlicher Qualität zu verbinden. Dabei wird großer Wert auf regionale und saisonale Produkte gelegt. Wir hatten die Gelegenheit, in Kochel am See im Restaurant „Grauer Bär“ einen solchen Tafernwirt auszuprobieren und haben dort zu einem fairen Preis wirklich gut gegessen.
Es geht auch moderner: In Mittenwald aßen wir einen Blattsalat mit einem köstlichen Himbeerdressing und reichlich gebratenen Pfifferlingen als vollständige Mahlzeit. Wenn das die neue bayerische Küche ist, dann weiter so!
 
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Das Highlight war unser Abschiedsessen. Wir entdeckten nämlich, ebenfalls in Mittenwald, ein Restaurant der gehobenen Art: das „Marktrestaurant“. Der Inhaber und Koch kam selbst an unseren Tisch und stellte uns ein Drei-Gänge-Menü vor, das nicht auf der Tageskarte stand. Beim Servieren erklärte die junge Dame vom Service jedes Mal die einzelnen Speisen, die sehr ansprechend angerichtet und zum Teil ungewöhnlich zubereitet waren (gepoppte Perlgraupen zum Beispiel).
 
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Neben dem guten Essen und der zuvorkommenden Bedienung genossen wir auch das moderne und dennoch gediegene Ambiente. Später fanden wir heraus, dass dieses Restaurant vom „Feinschmecker“ empfohlen wird. Als der Koch sich am Ende noch einmal mit uns unterhielt, stellten wir fest, dass er gebürtiger Niederrheiner ist und in Krefeld seinen Beruf erlernt hat.
Wie klein doch die Welt ist!
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2 Kommentare zu “Kulinarische Impressionen in Bayern Teil II

  1. Interessant berichtet, unterhaltend und informativ.
    Danke, dass Ihr meinem Blog nun folgt. Leider habe ich ihn die letzten 2 Monate nicht gefüttert, vor allem, weil ich sehr beschäftigt bin mit allen möglichen Tasks, die meisten in Zusammenhang mit dem Hausbau. Ich habe jedoch stark vor, wieder aktiver zu werden.
    Gruss aus Chiang Mai, Erich

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