Aachener Printen – rustikal

Medaillon Mama
Als ich zu Christi Himmelfahrt das erste Mal in meinem Leben Aachen besuchte, da habe ich mich sofort in diese hübsche alte Stadt verliebt. Bei einer Stadtführung erfuhren wir viel über die Geschichte Aachens, die bis in die Steinzeit zurückreicht. Schon damals siedelten sich Menschen rund um die Thermalquellen an, später waren es die Kelten, dann die Römer und schließlich die Germanen. 600 Jahre lang wurden hier alle deutschen Könige gekrönt, und zwei Kaiser, nämlich Karl der Große und Otto III, liegen im Aachener Dom begraben. Seinetwegen wurde Aachen zu einem wichtigen Wallfahrtsort, zu dem tausende Menschen pilgerten, wo sie untergebracht und versorgt werden mussten. Und eben aus dieser Zeit stammen die Aachener Printen: sie waren eine nahrhafte und haltbare Verpflegung für die Pilgernden. Wir durften vor Ort sogar eine Auswahl dieses berühmten und leckeren Backwerks probieren, das wir heutzutage eher aus der Weihnachtszeit kennen. Natürlich nahmen wir auch eine Packung mit nach Hause. Weil sie uns so gut schmeckten, nahm ich mir vor, zur Weihnachtszeit einmal selbst Printen zu backen. Ein entsprechendes Rezept fand ich bei chefkoch.de. Was mir besonders entgegenkommt: man kann den Teig zubereiten, ihn tage- oder auch wochenlang kühl stellen und die Printen backen, sobald man Zeit hat.
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Ende Oktober gab es dann auch schon die Zutaten für die Weihnachtsbäckerei in den Geschäften, so auch die Gewürze, die ich dafür benötigte. Da Printen ein altes Gebäck sind, wollte ich kein feines Weißmehl verwenden, sondern nahm, wie früher, geschroteten Dinkel. So würden sie wohl noch authentischer werden. Am 21. Oktober hatte ich alles zusammen, was ich benötigte, und bereitete den Teig zu.
Die Zutaten waren:
500 g Rübensirup
3 EL Wasser
5 g Pottasche
100 g brauner Zucker
600 g Dinkelmehl
50 g Orangeat
1 Prise Piment
3 TL gemahlener Anis
2 TL gemahlene Koriandersamen
3 TL Zimt
1 Prise gemahlene Nelken
1 Prise Kardamom
1 Prise Muskat
1 Prise Natron
Zubereitung:
Den Sirup mit dem Wasser in einem großen Topf erwärmen. Pottasche mit ein wenig Wasser auflösen.
Zucker zum Sirup geben und gut verrühren. Sirup von der heißen Herdplatte nehmen.
Das Orangeat hatte ich im Gefrierfach des Kühlschranks gefrieren lassen und mixte es in der Küchenmaschine mit ewas Mehl so fein es ging.
Dann vermischte ich es, zusammen mit allen weiteren Gewürzen, mit dem Mehl.
Anschließend rührte ich das Mehl unter den Sirup, bis ein glatter, fester Teig entstand. Der Teig muss mindestens über Nacht kalt stehen. Ich ließ ihn sogar 3 Wochen im Kühlschrank, bevor ich ihn weiter verarbeitete! Die Aachener Printenbäcker bereiten ihn ebenfalls Wochen vor der Weiterverarbeitung zu, habe ich mir sagen lassen.
So geht es weiter:
Kalt lässt er sich am besten verarbeiten. Trotzdem ist das Ganze eine ziemlich klebrige Angelegenheit.
Zunächst Backbleche mit Backpapier auslegen.
Backofen auf 175 °C vorheizen.
Den Teig portionsweise auf einem bemehlten Backbrett 5-8 mm dick ausrollen und mit einem Messer in etwa 3,5 cm breite Streifen schneiden, die dann quer in etwa 8 cm lange Stücke geschnitten werden. Die Teigstücke mit etwas Abstand auf die Backbleche legen, denn sie laufen etwas auseinander. Wenn möglich, die Backbleche noch einmal kühl stellen (ich mache das auf der Terrasse). Die Printen etwa 15 Minuten backen. Nach dem Backen noch ein paar Minuten auf dem Backpapier liegen lassen, dann lassen sie sich gut lösen. Auf einem Gitter auskühlen lassen.
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Die zweite Hälfte des Teiges rollte ich auf gehackten Haselnüssen aus (genauer gesagt war es Krokant, den ich in meinem Vorratsschrank fand). Dadurch klebte er nicht mehr so am Backbrett fest. Außerdem bekamen die Printen etwas mehr Biss, und der Nussgeschmack passt hervorragend zu den Gewürzen.
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Die Printen waren zunächst ganz hart. (Angeblich mögen die Aachener ihre Printen so am liebsten.) Nach einigen Tagen wurden sie etwas weicher. Ich habe sie in eine Blechdose zwischen Backpapier gepackt und lasse den Deckel ein wenig offen. So werden sie bis Weihnachten hoffentlich so weich und saftig, wie wir Nicht-Aachener sie kennen und lieben. Da die Gewürze bereits ihr herrliches Aroma entfaltet haben, schmecken sie auch so schon sehr, sehr lecker. Sie sind nicht so dick wie die, die man kauft, sondern sehen eher rustikal aus. Dafür sind sie vollwertig, ohne Zusatzstoffe, schmecken herrlich würzig und sind äußerst bekömmlich. Was will man mehr?

Traditionell hausgemachtes Sauerkraut

Medaillon Mama
Brigitte: In meiner Kindheit hat noch so mancher Haushalt sein Sauerkraut selbst gemacht. Wenn im eigenen Garten im Spätsommer und Herbst beeteweise Kohlköpfe herangereift waren, wurden sie zum Teil im eigenen Keller eingelagert oder eben gehobelt und mit Salz in Gärtöpfe geschichtet.
Später griff man zur Konservendose oder Vakuumpackung im Supermarkt, sollte man gelegentlich Appetit auf Sauerkraut haben. Überhaupt aß man nicht mehr viel selbst Eingelegtes oder Eingekochtes – und wunderte sich gleichzeitig, warum Allergien und Zivilisationskrankheiten zunahmen. Heute beginnt glücklicherweise ein Umdenken, weil sich langsam die Erkenntnis durchsetzt, dass Ernährung und Gesundheit mehr miteinander zu tun haben, als lange bekannt war. Die Milchsäure- und andere Bakterien spielen dabei eine große Rolle, und der Mensch nutzt sie schon seit Jahrtausenden zum Haltbarmachen von Gemüse. Das heißt dann Fermentation. Nicht nur Gemüse kann man fermentieren, sondern es gibt auch andere fermentierte Lebensmittel, wie z.B. Joghurt, Käse, Sauerteigbrot, Hefegebäck, Essig, Bier, Wein, Sekt (ja, auch Champagner ist fermentiert!) und viele andere mehr. Auch mein Kombucha ist ein fermentiertes Getränk.
Doch Tatjana wollte unbedingt einmal selbst traditionell Sauerkraut herstellen. Wie gut, dass ich in unserem Keller noch einen 5-Liter-Gärtopf stehen hatten, der schon seit Jahren nicht mehr in Gebrauch war! Ich habe also 5 Kilo Sauerkraut von unserem Biobauern besorgt, und dann konnte es am Samstag losgehen. Aber das wird Tatjana Euch selbst erzählen.
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Tatjana: Stimmt. Ich liebe, liebe, liebe Sauerkraut! Und der Gedanke, einfach im Keller eine Wochenration aus dem Fässchen nehmen zu können, ist mehr als verführerisch.
Also haben Mama und ich unsere Termine abgeglichen und dieses Wochenende passte es endlich.
Zunächst heißt es: Alles sorgfältig sterilisieren. Eine kleine Unaufmerksamkeit, das Sauerkraut beginnt zu schimmeln und die ganze Arbeit war umsonst.
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Daher alle Arbeitsflächen, Utensilien und Geräte mit kochendem Wasser abbrühen, mit frischen Geschirrtüchern trocknen und natürlich auch die Hände gründlich, aber ohne Seife, waschen!
Dann kann es losgehen. Eine Lake aus abgekochtem Wasser und Salz herstellen und abkühlen lassen.
Vom Weißkohl die oberen Blätter abnehmen.
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Unser schöner Sauerkrauthobel erwies sich nach kurzer Testphase als stumpf, daher sind wir auf unseren normalen Küchenhobel umgestiegen.
Den Kohl in eine Schüssel hobeln, nach ca. einem Kilo einen gehäuften Teelöffel Salz dazu geben und den Kohl kräftig mit den Händen kneten, bis er Wasser zieht. Dann in das Sauerkraut-Fässchen umfüllen und mit einem Kartoffelstampfer schön fest drücken.
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Diese Schritte wiederholt ihr so lange, bis der Kohl alle ist.
Um das Sauerkraut zu beschweren und unter der Flüssigkeit zu halten, verwendeten wir zwei halbrunde Holzbrettchen und einen großen, schweren Stein – diese wurden im Vorhinein natürlich auch sterilisiert.
Auf das möglichst fest gestampfte Sauerkraut auflegen und so lange Salzlake einfüllen, bis der Stein bedeckt ist.
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Den Deckel auf das Fässchen legen und den Rand mit Wasser füllen – dadurch kommt keine Luft an das Sauerkraut, entstehende Gase im Innern des Fässchens können aber entweichen.
Es empfiehlt sich, das Fässchen schon vor dem Füllen der Lake an einen kühlen Ort zu stellen, sonst lässt es sich nicht mehr heben 😉
Und dann heißt es, Geduld haben! Vier Wochen dürfen wir das Fässchen nicht öffnen. Aber dann, aber dann…
Man kann übrigens ganz viele Gemüsesorten milchsauer einlegen, und was ich besonders toll finde: es funktioniert auch portionsweise in Gläsern. Doch davon ein anderes Mal mehr.

Thai-Curry – bergeweise!

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Ihr Lieben,

am Donnerstag-Abend war ich bei meiner Freundin zum Klönen (Quatschen, für die Nicht-Rheinländer) und Baby kuscheln eingeladen. Der kleine Kerl wächst und gedeiht so schnell, dass man einfach keine Sekunde verpassen darf. Und damit die schwer beschäftigte Mama nicht auch noch kochen musste, wollte ich ein Thai-Curry mitbringen. Mit viel frischem Gemüse, Kokosmilch und Hühnchen.

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Meine Kollegin hatte mir rote, gelbe und grüne Thai-Currypaste mitgebracht, und da die stillende Mama nicht scharf essen darf, hieß es zunächst, todesmutig jede Currypaste nach Schärfegrad zu testen. Gelb fiel am mildesten aus, grün und rot fielen eher in die Kategorie „Tränen in den Augen und Schweiß auf der Stirn“. Alter Schwede… äh… Thailänder!

Ein richtiges Rezept habe ich nicht zur Hand, generell gilt: Alles, was gemüsig und genießbar ist: Hinein damit!

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Ich hatte frische Paprika, Zucchini, natürlich Zwiebeln, Zuckerschoten und Möhren und TK-Brokkoli. Dazu eine Packung Hähnchen Geschnetzeltes, 1 Dose Kokosmilch, etwas Milch und Sahne und natürlich meine Thai-Currypaste.

Das Gemüse habe ich (zum Teil) geschält und geschnitten und einzeln in einer (sehr) großen Pfanne angebraten, bis auf Brokkoli und Zuckerschoten, die wurden nur ganz kurz blanchiert – mir ist bei Gemüse immer wichtig, dass es noch Biss hat, deswegen nicht weich garen!

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Zum Schluss wurde dann das Fleisch angebraten (auch hier gilt, nicht tot braten). Das Fleisch aus der Pfanne nehmen und in dem Fleischsud ca. 3 TL Thai-Currypaste kurz anrösten bis sie duftet. Mit Kokosmilch ablöschen, je einen Schuss Milch und / oder Sahne dazugeben. Mir fehlten Würze und Säure, deswegen habe ich noch den Saft zweier frisch ausgepresster Orangen und einen Schuss Soja-Sauce dazu gegeben. Dann das Gemüse und das Fleisch wieder hineingeben… et voilà!

Tja, dachte ich zumindest. Zu unserem Mädelsabend hat es mein Thai-Curry nämlich nie geschafft, das liegt weiterhin einsam und verlassen im Kühlschrank bei mir im Büro… Hatte ich doch am Abend nach der Arbeit vergessen, es wieder heraus- und mitzunehmen.

Gedächtnis und Sieb und so. Ihr wisst schon…

Emmer-Walnuss-Kekse

Habt Ihr schon einmal in einem Meteoritenkrater Urlaub gemacht? Wir schon. In diesem Sommer nämlich. Dabei war es gar nicht unsere Absicht, ausgerechnet in einem Meteoritenkrater unseren Urlaub zu verbringen. Es hat sich einfach so ergeben. Ich wollte nach Jahrzehnten wieder einmal die Stätten besuchen, wo ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe, und gleichzeitig eine schöne Gegend entdecken. In der Urlaubsregion „Donau-Ries“ fand ich eine Ferienwohnung, die uns zusagte, genauer gesagt in einem kleinen Ort namens „Pflaumloch“. Er ist nur 3 km von der schönen, mittelalterlichen Stadt Nördlingen entfernt und liegt im „Ries“. Von dort aus konnten wir all die Orte und Menschen, die ich besuchen wollte, gut erreichen. Zumindest sah das auf der Landkarte so aus. Doch das ist eine eigene Geschichte.
Das „Ries“ ist, wie wir bald erfuhren, ein Krater, der durch einen gewaltigen Meteoriteneinschlag entstand. Das ist zwar schon 14 1/2 Millionen Jahre her, prägt aber noch heute die Landschaft. Immerhin hat der Krater einen Durchmesser von ca. 25 km. Bis in die 1960er-Jahre wusste man nicht, wie diese kreisrunde Senke entstanden ist. Der berühmte amerikanische Geologe Eugene Shoemaker fand damals heraus, dass ein riesiger Asteroid die Ursache war. Heute ist das Ries der am besten erhaltene und am besten erforschte Meteoritenkrater der Welt. Amerikanische Astronauten, die später auf dem Mond gelandet sind, haben sich hier sogar auf die Apollo-Mission vorbereitet.
Die kosmische Katastrophe schuf die Voraussetzung dafür, dass im Kraterbecken fruchtbare Böden entstanden und das Ries zur Kornkammer Bayerns wurde. Heute ist der Anbau von Weizen u. Co. zwar stark zurückgegangen, aber einzelne Biohöfe besinnen sich wegen steigender Nachfrage auf alte Getreidesorten wie Einkorn, Emmer und Dinkel. Und da im angrenzenden Baden-Württemberg ohnehin viel Dinkel angebaut wird, gibt es sogar in Supermärkten ganze Ecken mit solchen historischen Körnern, Flocken, Schrot, Mehl etc. Ich habe mich mit Dinkelmehl eingedeckt, weil ich neuerdings sehr gerne und viel damit backe. Emmer wollte ich schon lange ausprobieren, also nahm ich auch eine Tüte voll Emmerkörner mit. Irgendwo hatte ich von Emmerkeksen gehört und wollte damit beginnen. Die Suche nach einem Rezept gestaltete sich allerdings schwierig: Ich fand weder eines in einem meiner vielen Koch- bzw. Backbücher noch im Internet. Dort gab es meist allgemeine Backempfehlungen oder Rezepte für Brot damit. Doch man ist ja flexibel: ein Rezept für Walnusskekse wurde anstatt mit Weizen kurzerhand mit Emmer gebacken. Probieren geht schließlich über Studieren!
Ich habe also 200 g Emmerkörner, so fein es ging, gemahlen und damit das Mehl ersetzt.
Außerdem nahm ich folgende Zutaten:
200 g zimmerwarme Butter
200 g braunen Zucker
1 Vanillezucker
1 Prise Salz
1 Ei
1 TL Backpulver, den ich mit dem Emmermehl mischte
200 g gemahlene Walnüsse
2 gestrichene TL Zimt
Zubereitung:
Die Butter wurde mit Zucker, Salz und Vanillezucker verrührt.
Dann fügte ich das Ei hinzu und rührte es ebenfalls darunter.
Mehl und Walnüsse hatte ich gemischt,
gab sie nun zur Buttermischung und verrührte alles zu einer homogenen Masse.
Anschließend stellte ich den Teig etwa 1/2 Stunde kalt.
Der Backofen wurde auf 175 °C vorgeheizt
und zwei Backbleche mit Backpapier belegt.
Mit einem Teelöffel verteilte ich gut walnussgroße Häufchen auf den Backblechen. (Gut, dass ich zwischen den Häufchen etwa 5 cm Abstand ließ, denn der Teig lief auseinander.)
Die Kekse ließ ich 8 – 10 Minuten backen, bis sie einen schönen braunen Rand hatten.
Auf einem Gitter durften sie auskühlen, bevor ich sie in eine Blechdose packte.
Emmerkekse (2)
Aus der Teigmenge bekam ich etwa 30 Kekse heraus, die nun nach und nach zum Kaffee verspeist werden.
Wegen des braunen Zuckers (ich nahm Rohrohrzucker) sind sie nicht allzu süß. Der Emmer schmeckt nussig und harmoniert gut mit den leicht herben Walnüssen. Da der Zimtgeschmack meines Erachtens ziemlich untergeht, werde ich das nächste Mahl noch einen Teelöffel mehr davon in den Teig geben, denn ich liebe Zimt. Doch das ist ja bekanntlich Geschmackssache.
Seit ich vor kurzem einen Bericht über einen Biobäcker im Fernsehen sah, habe ich große Lust, Sauerteigbrot zu backen. Emmer eignet sich angeblich sehr gut dazu. Ich werde Euch berichten.