Zwiebelrostbraten mit Kraut+Fleckerl

Medaillon Mama

Als Hauptgericht für  unser alpin inspiriertes Jahresabschlussmenü wählten wir einen Zwiebelrostbraten, der sich gut vorbereiten lässt. Tatjana musste nämlich arbeiten, deshalb teilte ich mir die Arbeit so ein, dass der Großteil schon am Vortag erledigt war. Zwiebelrostbraten ist in ganz Österreich in verschiedenen Varianten verbreitet. Zusätzlich zu den Zwiebeln in der Soße habe ich noch extra Röstzwiebelringe gebraten, die auf den Bratenscheiben serviert wurden.

Die Zutaten für den Zwiebelrostbraten:

Rinderhüfte (pro Person etwa 200 bis 250 g)

1/2 l Brühe oder Fond

Portwein/Rotwein

Rapsöl

Puderzucker

Tomatenmark

Salz, Pfeffer, Majoran

Für den Zwiebelrostbraten besorgte ich knapp 2 kg Rinderhüfte. Das war natürlich zu viel für 8 Personen, sondern reicht eher für 12 Personen. Ich rechnete aber damit, dass wir am Neujahrstag noch einmal davon essen konnten 😉

Außerdem besorgte ich reichlich Zwiebeln. Die sind für einen Zwiebelrostbraten unverzichtbar.

Das Rindfleisch schnitt ich in etwa 1 cm dicke Scheiben quer zur Fleischfaser. Die Menge ergab 30 (!) Scheiben. Normalerweise sollen die Fleischscheiben leicht plattiert werden. Darauf habe ich verzichtet. Sie durften ausgebreitet auf einem großen Holzbrett Zimmertemperatur annehmen.

Zunächst bereitete ich die Zwiebelsoße zu:

6 mittelgroße Zwiebeln wurden geschält, halbiert und unter Tränen in Halbringe geschnitten. Die Halbringe ließ ich bei mittlerer Hitze in Rapsöl und einem Stich Butter ganz leicht hellbraun dünsten. Dann überstäubte ich sie mit Puderzucker, fügte einen EL Tomatenmark dazu und verrührte alles miteinander. Sobald das Tomatenmark ein ganz klein wenig Röststoffe bildete, löschte ich den Ansatz mit einem guten Schuss Portwein ab. Der Portwein durfte unter Rühren einköcheln. Danach wurde mit Fond abgelöscht, der wiederum aufkochte und dann langsam einköchelte. Das Gleiche wiederholte ich ein paar Mal mit einem trockenen, gehaltvollen Rotwein, bis die Zwiebeln schön dunkel und sämig waren. Zum Schluss wurden sie mit Salz, Pfeffer und Majoran abgeschmeckt, in einen Bräter gefüllt und beiseite gestellt.

Die Fleischscheiben würzte ich zunächst auf einer Seite mit Salz und Pfeffer und massierte danach ganz wenig Öl in jede Scheibe, drehte sie um und wiederholte das Ganze auf der anderen Seite. Die vorbereiteten Scheiben ließ ich in einer sehr heißen beschichteten Pfanne – ohne weiteres Fett – auf jeder Seite kurz Farbe nehmen und legte sie schuppenförmig auf die vorbereiteten Zwiebeln. Die Röststoffe in der Pfanne ließ ich mit etwas Wasser loskochen. Dies goss ich zum Fleisch. Jetzt war mein Zwiebelrostbraten fertig und wurde bis zum nächsten Tag gut gekühlt.

Auch die Röstzwiebeln, mit denen der Rostbraten serviert wurde, ließen sich schon am Vortag zubereiten: Dafür hobelte ich 2 Zwiebeln in dünne Scheiben, füllte 3 EL Mehl und die Zwiebelscheiben in einen Gefrierbeutel und schüttelte alles gut durch. In reichlich Öl wurden sie bei guter Mittelhitze portionsweise hellbraun gebraten. Küchentücher nahmen anschließend das überschüssige Fett auf. Zum Schluss bestreute ich sie mit etwas Salz und füllte sie in eine flache Tupperdose.

Krautfleckerl

sind ebenfalls ein österreichisches Gericht. Dort werden sie oft als vollständiges Hauptgericht serviert, dann auch gerne mit Speck. Für die Krautfleckerl wird zunächst der mehr oder weniger grob geschnittene Weißkohl gegart und am Ende mit ungefähr 2 x 2 cm großen  Nudelstücken gemischt. Ich habe Weißkohl und – als Fleckerl-Ersatz – Bandnudeln getrennt serviert. „Fleckerl“ sind hier am Niederrhein nämlich nicht zu bekommen und sie selbst zu machen, war mir zu viel Arbeit.

Für mein Kraut habe ich einen mittelgroßen Weißkohl in grobe Stücke geschnitten.

1 fein gewürfelte Zwiebel wurde in einem ausreichend großen Topf in Rapsöl glasig gedünstet, dann mit 1 EL Zucker bestreut und leicht gebräunt. Dazu kam dann der Kohl und durfte unter Rühren ebenfalls Farbe annehmen. In der Zwischenzeit habe ich ihn mit Salz, Pfeffer, gemahlenem Kümmel und Paprikapulver gewürzt. Sobald er anfing, leicht braun zu werden, löschte ich ihn mit einem Glas Weißwein ab. Im geschlossenen Topf ließ ich ihn danach bei geringer Hitze dünsten, bis er bissfest war. Dann wurde er gut gekühlt bis zum nächsten Tag aufbewahrt, an dem die Gäste am Abend kommen sollten.

Schon am Mittag holte ich den Braten aus der Kühlung, damit er ein paar Stunden Zeit hatte, Zimmertemperatur anzunehmen. Drei Stunden vor dem Essen stellte ich dann den Bräter in den Backofen und ließ den Zwiebelrostbraten bei 70 °C langsam erwärmen. Eine halbe Stunde vor dem Servieren schaltete ich die Hitze auf 120 ° C, so dass er ganz heiß wurde. Kurz vor dem Servieren nahm ich ihn heraus, schmeckte die Soße ab und dann durften die Röstzwiebeln im Backrohr noch heiß werden.

Das Kraut wurde 20 Minuten lang auf dem Herd erhitzt und ebenfalls noch einmal abgeschmeckt: Eine Prise Harissa-Pulver gab ihm neben etwas Schärfe auch „das gewisse Etwas“.

Mit den frisch gekochten Bandnudeln konnten die Teller dann angerichtet werden.

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Übrigens reichten die Reste tatsächlich noch für den Neujahrstag 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

Mara und der Feuerbringer

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Ihr Lieben,

auf die gute (alte) Art auf Abwegen? Nein, ganz bestimmt nicht. Auf Umwegen, vielleicht. Aber definitiv auf dem richtigen Weg – und der führt ins Kino.

Seit gestern läuft dort nämlich ein Film, dessen Besuch sich wirklich lohnt: Mara und der Feuerbringer.

Nie gehört? Ein deutscher Fantasyfilm? Ja, und zwar einer, der eine Chance verdient. Warum? Hier ein paar gute Gründe:

1. Die Geschichte: spannend, intelligent und witzig. Die 15-jährige Mara (gespielt von Lilian Prent) hat seit einiger Zeit seltsame und verstörende Visionen, die sie nicht verstehen und einordnen kann. Dann wird ihr von einem Zweig (ja, richtig gehört) mitgeteilt, dass sie dazu bestimmt ist, die Welt zu retten. Loki (Christoph Maria Herbst), der nordische Halbgott versucht, sich von seinen Fesseln zu befreien, die ihn davon abhalten, den Weltuntergang auszulösen. Zugegeben, er hat einen guten Grund, da der Feuerbringer seine Frau Sigyn (Eva Habermann) entführt hat und sie gefangen hält.

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Maras Aufgabe: Sie zurückbringen. Sie, Mara, mitten in der Pubertät, in der Schule die Außenseiterin. Sie ist begeistert – nicht! Ihre leicht durchgeknallte und esoterisch veranlagte Mutter (Esther Schweins) ist ihr keine Hilfe. Was also tun? Sich qualifizierte Unterstützung suchen. Die findet sie in Professor Weissinger (Jan Josef Liefers), eine Koryphäe auf dem Gebiet der nordisch-germanischen Mythologie. Ihn nimmt Mara mit in ihre Visionen, die auf einmal wirklich zu sein scheinen. Gemeinsam müssen sie sich etwas einfallen lassen, um die Ragnarök, die Götterdämmerung zu verhindern. Wird es ihnen gelingen? Das seht ihr dann im Kino 🙂

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2. Die Darsteller: Der Film lebt von der großartigen Leistung der Schauspieler. Jan Josef Liefers spielt Prof. Weissinger; und das wunderbar. Man glaubt ihm den zerstreuten Professor, der mehr als begeistert ist, seine ganzen theoretischen Forschungen endlich “In echt” erleben zu können, ohne weiteres. Dazu Esther Schweins, die ihre Film-Tochter mit immer neuen esoterischen Ideen terrorisiert, aber doch eigentlich nur ihr Bestes will und gar nicht merkt, wie sehr sie Mara damit auf die Nerven geht. Und dann Christoph Maria Herbst als Loki, spitzbübisch, gewitzt – wie Loki eben so ist. Lilian Prent als Mara muss sich definitiv nicht hinter all den deutschen Schauspiel-Größen verstecken, sie spielt Mara unbeschwert, lässig und glaubwürdig.

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3. Und:

– weil die Special Effects, sparsam verwendet, aber doch weit entfernt sind von der üblichen, den deutschen Filmen oft eigenen schlechten Qualität. Für deren professionelles Aussehen zeichnet John Nugent verantwortlich, der schon in Filmen wie Herr der Ringe und Matrix die Special Effects gemacht hat.

– weil der Film ein deutliches Statement gegen Mobbing unter Kindern und Jugendlichen enthält.

– weil der Film Wissen vermittelt über die in Deutschland so wenig bekannte nordisch-germanische Mythologie, die zu unserer Kultur gehört und doch so wenig bekannt ist. Kostüme, Schauplätze, wissenschaftliche Fakten: Alles wurde sorgfältig recherchiert.

– weil der Regisseur (und zugleich Autor der Roman-Trilogie, auf der der Film basiert) Tommy Krappweis seine Figuren so liebevoll gestaltet, ihnen clevere und witzige Dialoge in den Mund legt und sie gemeinsam spannende Abenteuer erleben lässt, dass der Film einfach Spaß macht.

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Mein Fazit:

Ein Feel-Good-Movie. Ein deutscher Genre-Film, der der ganzen Familie (mit Kindern ab 6 Jahren) großen Spaß macht, mit feinsinnigem Humor, der nie platt wird oder unter die Gürtellinie geht, mit wissenschaftlichem Hintergrund, ohne belehrend zu wirken – und mit der ein oder anderen Überraschung für alle (erwachsenen) Fantasy- und SciFi-Fans.

Also,

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Übrigens: Hier handelt es sich um meine eigene, ganz persönliche und subjektive Meinung, die ich niederschreibe, nachdem ich den Film gesehen habe – übrigens der Grund, warum unser letzter Post verspätet erschienen ist: Mit 400 anderen Gewandeten, Cosplayern, LARPern, Reenactern und Mittelalter-, Convention- und Mara-Fans war ich auf der großen Premiere in Köln – wie auch meine Freundin Anna von The Anna Diaries, die ein ausführliches Review geschrieben hat. Ihre Eindrücke und Fotos findet ihr HIER.

Kulinarische Impressionen in Bayern Teil II

Wir sind mittlerweile wieder zu Hause. Natürlich habe ich vor der Abreise noch meinen Apfelstrudel gegessen. Darauf hätte ich in diesem Jahr aber lieber verzichten sollen. Die heimischen Äpfel waren noch nicht reif, und so war die Füllung leider nur süß und ziemlich geschmacklos. Dabei liebe ich doch gerade das frische, säuerliche Aroma der ersten Äpfel! Letztes Jahr war der Apfelstrudel, den ich in Österreich gegessen habe, perfekt, denn wir waren einige Wochen später in Urlaub. Allerdings wäre alles andere eine Enttäuschung gewesen, denn den aß ich im Weißen Rössl am Wolfgangsee. Wenn ich dort schon einmal im Leben einkehre, musste ich doch das Klischee perfekt machen!
 
Wie die Österreicher sind auch die Bayern sehr traditionsbewusst. Das zeigt sich nicht nur in ihren Trachten und Festen, sondern auch in ihrer Küche. Ich habe den Eindruck, dass der Großteil der Gasthaus-Betreiber glaubt, der Gast möchte ausschließlich bayerisch essen, denn überall wird dafür geworben. Nun ist die bayerisch-österreichische Küche ja nicht eine der schlechtesten. Sie ist schmackhaft, deftig, fleischbetont (die Mehlspeisen natürlich ausgenommen), verhältnismäßig preiswert – und die Portionen sind riesig! Für die meisten Menschen sind das gute Argumente. Wir haben erst nach einiger Zeit herausgefunden, dass man fast überall auf Nachfrage kleinere Portionen bekommt, auch wenn es auf der Speisekarte nicht ausdrücklich vermerkt ist. Vegetarier und Veganer allerdings haben es zumindest in ländlichen Regionen schwer, im Restaurant abwechslungsreich zu essen. Gemüsegerichte sind wirklich Mangelware auf den Speisekarten, und wer möchte schon eine ganze Woche Käsespätzle im Wechsel mit Blattsalaten essen?
 
Das Konzept, ausschließlich auf die althergebrachte bayerische Küche zu setzen, scheint aber nicht mehr überall aufzugehen: wir haben nämlich auf unseren Ausflügen etliche Gasthäuser gesehen, die geschlossen waren. Im Gegenteil dazu entdeckten wir in Murnau ein indisches Restaurant, in dem „der Bär brummte“. Wir haben natürlich auch dort gegessen. Zum ersten lieben wir die indische Küche, und außerdem waren wir froh über die Abwechslung. Das Restaurant war voll, so dass der Kellner vor lauter Servieren kaum dazu kam, auch noch zu kassieren, während sich in den Gasthäusern drumherum, soweit wir es sehen konnten, der Andrang in Grenzen hielt. Cafés, die etwas pfiffiger daherkamen, waren ebenfalls voll, während die traditionellen meist eher mäßig besucht waren. Das ist übrigens bei uns am Niederrhein nicht anders als dort.
 
Im Tölzer Land haben sich schon vor mehr als zehn Jahren Gastwirte zu einer Gemeinschaft nach dem Vorbild der historischen „Tafernwirt“ zusammengeschlossen. Ihre Philosophie ist, Tradition und Brauchtum sowie bodenständige Gastfreundschaft mit guter und ehrlicher Qualität zu verbinden. Dabei wird großer Wert auf regionale und saisonale Produkte gelegt. Wir hatten die Gelegenheit, in Kochel am See im Restaurant „Grauer Bär“ einen solchen Tafernwirt auszuprobieren und haben dort zu einem fairen Preis wirklich gut gegessen.
Es geht auch moderner: In Mittenwald aßen wir einen Blattsalat mit einem köstlichen Himbeerdressing und reichlich gebratenen Pfifferlingen als vollständige Mahlzeit. Wenn das die neue bayerische Küche ist, dann weiter so!
 
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Das Highlight war unser Abschiedsessen. Wir entdeckten nämlich, ebenfalls in Mittenwald, ein Restaurant der gehobenen Art: das „Marktrestaurant“. Der Inhaber und Koch kam selbst an unseren Tisch und stellte uns ein Drei-Gänge-Menü vor, das nicht auf der Tageskarte stand. Beim Servieren erklärte die junge Dame vom Service jedes Mal die einzelnen Speisen, die sehr ansprechend angerichtet und zum Teil ungewöhnlich zubereitet waren (gepoppte Perlgraupen zum Beispiel).
 
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Neben dem guten Essen und der zuvorkommenden Bedienung genossen wir auch das moderne und dennoch gediegene Ambiente. Später fanden wir heraus, dass dieses Restaurant vom „Feinschmecker“ empfohlen wird. Als der Koch sich am Ende noch einmal mit uns unterhielt, stellten wir fest, dass er gebürtiger Niederrheiner ist und in Krefeld seinen Beruf erlernt hat.
Wie klein doch die Welt ist!