Ochsenschwanz-Ragout à l’orange mit Rote Bete – nach Ottolenghi, für den Slow Cooker oder traditionell im Ofen

medaillon tatjana

Ihr Lieben,

der Tag heute fühlte sich schon fast an wie Frühling. In der Nacht war es noch klirrend kalt und es hat Stein und Bein gefroren, aber tagsüber schien die Sonne von Auf- bis Untergang.

Die Eltern haben die Zeit für einen Ausflug genutzt, während ich mit meiner besten Freundin und ihrer Mom verabredet war. Wir bauen einen Bauchladen 🙂

Trotzdem hatte ich mal wieder so richtig Lust zu kochen, und so hatte ich mir in der Woche schon ein Rezept herausgesucht. Der Slow Cooker sorgte dafür, dass unsere Tagesplanung nicht ins Wasser fiel.

Die Wahl fiel auf einen Rindereintopf mit Rote Bete und Orange – grob orientiert habe ich mich an einem Rezept von Ottolenghi.

Gestern beim Einkaufen war aber kein schönes Gulasch oder Schmorfleisch zu bekommen – wie gut, dass da auch noch zwei Packungen schöner Ochsenschwanz-Stücke lagen. Also wurde, was das Fleisch betrifft, kurzfristig umdisponiert.

Ochsenschwanz eignet sich ganz hervorragend zum Schmoren – es ist tolles langfaseriges und schön durchzogenes Muskelfleisch – und es wird am Knochen gegart, was immer für noch mehr Geschmack sorgt. Außerdem wird am Knochen geschmortes Fleisch viel zarter, und es ist zudem äußerst günstig.

Ich sollte bereits um 11 Uhr abgeholt werden: mit dem Slow Cooker kein Problem. Der Eintopf durfte den ganzen Tag vor sich hin schmurgeln und war zum Abendessen perfekt zum Genießen.

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Ihr braucht (für 4 Personen im 3,5l Topf):

1 kg Gulasch oder 4-5 Stücke Ochsenschwanz

500g rote Bete

3 Orangen

2 Zwiebeln

5 Knoblauchzehen

2 EL Tomatenmark

500 ml Gemüse- oder Rinderbrühe

1 1/2 TL gemahlener Kumin

1 1/2 TL gemahlener Koriander

1 1/ 2TL Zimt

eine Prise Harissa-Gewürz (oder alternativ Chili-Pulver)

Salz

Olivenöl

Pfeffer

ca. 1/2 Tasse Portwein

ca. 1/2 Tasse Rotwein

ca. 1/2 Tasse Soja-Sauce

Zunächst die Rote Bete schälen und in ca. 1x1cm große Würfel schneiden. Die Zwiebeln ebenfalls schälen, halbieren und in (halbe) Ringe schneiden.

Die Schale einer Orange ohne das Weiße abschälen (wenn ihr habt, nehmt einen Zesten-Reißer – wenn nicht, tut es auch ein Sparschäler). Aus allen Orangen den Saft auspressen und auffangen.

Die Ochsenschwanz-Stücke kräftig salzen und mit etwas Öl in einer heißen Pfanne von allen Seiten scharf anbraten – wir wollen Röst-Aromen, also gebt richtig Gas 🙂

Die Ochsenschwanz-Stücke herausnehmen und beiseite legen. Im Bratensaft und etwas mehr Olivenöl die rote Bete gemeinsam mit den Zwiebeln ebenfalls scharf anbraten, dann auf mittlere Hitze zurückschalten. In der Mitte etwas Platz machen, darin das Tomatenmark gemeinsam mit den Gewürzen und dem Knoblauch anrösten, bis es anfängt, himmlisch zu duften 🙂 Dann alles verrühren und noch ein bisschen weiterdünsten lassen. Nach ca. 5 Minuten alles in den Slow Cooker umfüllen. Die Ochsenschwanz-Stücke darauf verteilen.

Mit dem Portwein und dem Rotwein wiederum die Bratreste in der Pfanne angießen und so weit einreduzieren, bis der Wein anfängt dickflüssig zu werden. (Beim Langsam-Garen verkocht kein Alkohol, da keine dauerhaften Temperaturen von 100°C erreicht werden und keinerlei Flüssigkeit verdampft. Von daher verschwindet der Alkohol nur dann, wenn man ihn vorher bereits eliminiert).

Dann mit dem Orangensaft aufgießen und alles in den Slow Cooker gießen. Mit so viel Brühe angießen, dass das Gemüse, aber nicht das Fleisch bedeckt ist.

Das Ragout erst eine Stunde bei „high“ und dann 7 Stunden „low“ garen lassen.

Vor dem Servieren habe ich das Fleisch herausgefischt, die Sauce mit der Soja-Sauce und etwas Salz abgeschmeckt und mit ca. 2 EL Pfeilwurzel-Mehl ganz leicht angedickt. Ihr könnt das Fleisch vom Knochen zupfen und so servieren oder ihr serviert die ganzen Stücke – da entscheidet euer persönlicher Geschmack 🙂

Und dann mit Semmelknödeln, Kartoffeln, Reis oder einem guten Baguette servieren.

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Uns hat es hervorragend geschmeckt. Die Rote Bete machen das Gericht schön leicht – von dem typischen erdigen Geschmack, wegen dem viele dieses Gemüse nicht mögen, keine Spur. Die Orange macht das Ragout herrlich frisch, die orientalischen Gewürze harmonieren hervorragend. Es war ein Gedicht 🙂

Ach ja, wie immer gilt: Wenn ihr keinen Slow Cooker habt (und euch trotz meiner Lobeshymnen auch keinen anschaffen wollt), könnt ihr das Rezept natürlich auch „traditionell“ nachkochen. Nehmt einfach einen Bräter oder Römertopf und passt die Garzeiten (nach unten) an. Ottolenghi hat sein Ragout ca. 2 Stunden bei ca. 150-160°C schmoren lassen. Ochsenschwanz braucht aber etwa 3 Stunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Steckrüben-Eintopf

Ihr Lieben,

sind Euch auf dem Markt schon einmal diese Rüben aufgefallen, die entfernt an Futterrüben erinnern, aber nicht länglich, sondern rund sind? Viele, die den Krieg noch erlebt haben, schütteln sich bei dem Anblick. Waren Steckrüben damals doch oft das einzige Nahrungsmittel, das zur Verfügung stand und ihren Hunger stillen musste. Die junge Generation kennt dieses Gemüse deshalb in den meisten Fällen nicht, hat deswegen auch keine Abneigung dagegen. Nun ist Gemüse im Zuge der Gesundheitswelle ja sowieso „in“. Die alten, traditionellen Rezepte sind es ebenfalls. Und damit ist auch die Steckrübe richtig „im Kommen“, sogar in der gehobenen Gastronomie.

Als ich kürzlich auf dem Blog „herzelieb“ ein Bild von Rübenmus nach Omas Rezept sah, bekam ich richtig Appetit darauf. Nun hat mein Schatz seit seiner Kindheit eine Abneigung gegen „zermustes“ Gemüse: das Rübenmus kam also nicht in Frage. Gegen einen stückigen Eintopf aber sprach nichts. Und wirklich: Mit seiner geliebten rheinischen Mettwurst war er ein voller Erfolg.

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Außerdem verwendete ich folgende Zutaten:

1 Zwiebel

1 Stück durchwachsenen Speck

1 Steckrübe

4 Möhren

Bio-Instant-Brühe

Salz

Pfeffer

4 Mettwürste

 

Die Zubereitung:

Speck würfeln oder in Streifen schneiden, in einem großen Topf bei Mittelhitze auslassen.

Zwiebel schälen, würfeln und zum Speck geben. Bei kleiner Hitze glasig dünsten.

In der Zwischenzeit die Steckrübe schälen und in beliebig große Würfel schneiden; zu der Speck-Zwiebel-Mischung geben.

Möhren ebenfalls schälen und würfeln. Zu den Rüben geben. Unter Rühren leicht anrösten.

Im Wasserkocher 1 Liter Wasser erhitzen. Das Gemüse damit ablöschen, so dass es eben bedeckt ist. Mit 1 EL Brühe und Salz würzen.

Alles aufkochen lassen, dann die Hitze herunterschalten und leicht köcheln lassen, bis das Gemüse so weich ist, wie man es haben möchte. Nach etwa 25 Minuten die Mettwürste anstechen und dazugeben. Vor dem Servien mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Dazu gab es bei uns Salzkartoffeln. Wenn Ihr mögt, könnt Ihr Kartoffelwürfel auch sofort im Eintopf mitkochen. Statt der Mettwürste bzw. Kochwürste könnt Ihr natürlich auch Kassler nehmen. Wir haben zweimal davon gegessen und die restliche Portion Eintopf eingefroren.

 

 

 

 

 

Bosnischer Topf

Medaillon Mama

Es war ein außergewöhnlich kalter und schneereicher Winter im Süden Europas. Wir, die wir es gewohnt sind, fast alle Sorten Obst und Gemüse das ganze Jahr über zu niedrigen Preisen zu bekommen, müssen jetzt für unsere Tomaten, Gurken usw. ganz ordentlich in die Tasche greifen. Oder unsere heimischen Gemüsesorten häufiger auf den Tisch bringen. Kohl und Möhren zum Beispiel sind preiswert und ergeben zusammen mit aromatischen Tomaten aus der Dose einen leckeren Bosnischen Topf. Die 2 grünen Paprikaschoten, die wir ebenfalls dazu brauchen, strapazieren unser Haushaltsbudget nicht allzu sehr. Und beim Fleisch können wir die preiswerteren Stücke wählen. Sobald alles im Römertopf ist, brauchen wir uns nicht mehr darum zu kümmern und holen nach 2 1/2 Stunden ein deftiges, wärmendes Gericht aus dem Backofen. Das Schöne an diesem Gericht ist, dass man sich nicht exakt an die Mengenangaben halten muss; Hauptsache, es passt alles in den Römertopf.

Der Bosnische Topf ist ein Familiengericht, das wir früher sehr gerne gegessen haben. Leider geriet es irgendwann einmal in Vergessenheit. Umso glücklicher bin ich, dass ich vor kurzem zufällig wieder auf das Rezept gestoßen bin. Und jetzt werde ich dafür sorgen, dass es nicht wieder in Vergessenheit gerät!

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Zutaten für 6 Portionen:

ca. 1 kg Spitz- oder Weißkohl

2 grüne Paprikaschoten

150 g Möhren

1 große Dose geschälte Tomaten

600 – 800 g durchwachsenes Kalbfleisch (oder zur Hälfte mit Schweinenacken gemischt)

1 Rinder-Beischeibe (oder 1 Scheibe Schweinebauch)

Salz, Pfeffer, gekörnte Bio-Brühe (ohne Geschmacksverstärker etc.)

Zubereitung:

Den Kohl vierteln und grob vom Strunk abschneiden. Waschen und gut abtropfen lassen.

Die Paprikaschoten vierteln, Stiel, Kerne und alles Weiße entfernen, waschen und in etwa 1 cm breite Streifen schneiden.

Die Möhren schälen und in Scheiben schneiden.

Kohl, Paprika und Möhren in einer großen Schüssel mischen. Mit Salz, Pfeffer und Brühe-Pulver würzen.

Die Tomaten abtropfen lassen und grob zerteilen.

Das Kalbfleisch grob würfeln, mit Salz und Pfeffer würzen und mit einem Schuss Öl vermischen.

Die Beinscheibe ebenfalls mit Salz und Pfeffer würzen und mit wenig Öl einreiben. In einen großen gewässerten Römertopf (oder in einen eisernen Topf mit gut verschließbarem Deckel) legen. Gemüse und Tomaten darauf geben. Zum Schluss das gewürfelte Fleisch darüber verteilen. Alles gut festdrücken.

Den Deckel auflegen und bei 175 °C im Backofen 2 Stunden garen. Nach einer weiteren 1/2 Stunde bei 100 °C darf serviert werden.

Schlichte Salzkartoffeln passen, wie ich finde, am besten dazu.

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Sauerkrauttopf mit Hähnchenschenkeln

medaillon tatjana

Dank unserer letzt-herbstlichen Sauerkraut-Aktion, die wir hier beschrieben haben, gab es diesen Winter reichlich Sauerkraut auf unseren Tellern. Ich mag es am liebsten klassisch, nur kurz erwärmt und mit ein paar Zwiebelchen.

Dennoch hatte ich Lust, mal etwas anderes zu probieren. Und eines Tages passierte das Unfassbare: Ich hatte tatsächlich mal einen freien Samstag. Also auf zum Markt, Bio-Hähnchenschenkel und durchwachsenen Speck (natürlich ebenfalls Bio) besorgen und dann ab in die Küche.

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Ihr braucht:

200 g Möhrchen

4 kleine Zwiebeln

150 g durchwachsenen Speck

2 Hähnchenschenkel

1 Packung Sauerkraut (oder ein paar Handvoll eigenes)

ein paar Zweige Thymian

200 ml Wasser

Öl, Salz, Pfeffer

Zunächst die Möhrchen und die Zwiebeln schälen und in Scheiben bzw. Ringe schneiden.

Das Sauerkraut in einem Sieb abtropfen lassen. Fangt den Saft am besten auf und trinkt ihn. Gesünder geht nicht 🙂

Den Speck in Würfel schneiden. Dann Öl in einem großen Bräter erhitzen. Den Speck scharf anbraten, herausnehmen. Die Hähnchenschenkel mit Salz und Pfeffer würzen und im ausgetretenen Fett des Specks ebenfalls scharf anbraten. Auch herausnehmen und dann das Gleiche mit den Möhrchen und den Zwiebeln machen. Der Thymian darf nun ebenfalls dazu.

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Dann das Sauerkraut zu dem Gemüse geben, mit 200 ml Wasser aufgießen und einmal aufkochen lassen. Dann legt ihr die Hähnchenschenkel auf das Sauerkraut und gebt das ganze zunächst mit Deckel in den auf 200°C vorgeheizten Ofen. Am besten stellt ihr Ober-/Unterhitze ein und stellt den Bräter auf einen Rost auf der unteren Schiene. Dann zugedeckt ca. 25 Minuten garen, anschließend den Deckel abnehmen und nochmal 20 Minuten offen weiterbrutzeln lassen.

Et voilà. Vor dem Servieren würde ich das Sauerkraut noch einmal probieren und ggf. mit Salz und Pfeffer nachwürzen. Lieber nicht vorher würzen, durch den Speck wird das Ganze schon von selbst salzig.

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Linseneintopf mit getrockneten Steinpilzen, Speck und Maronen

Medaillon Mama
Wenn es nach mir ginge, würde ich ständig neue Rezepte ausprobieren. Doch da haben Sohn und Ehemann etwas dagegen: sie stehen fremden Gerichten ziemlich misstrauisch gegenüber, setzen lieber auf das Altbewährte. Bei Hülsenfrüchten ist das etwas Anderes, zumindest bei meinem Mann; da darf ich meine Experimentierfreudigkeit auch schon einmal ausleben. Linsen gehen so ziemlich in jeder Form. Inspiriert durch einen Rezeptvorschlag im denn’s-Prospekt, brachte ich denn an einem der vergangenen kalten Tage einen etwas anderen Linseneintopf auf den Tisch.
Ich nahm, was ich vorrätig hatte, und die folgenden Mengen ergaben eine Mahlzeit für 4 bis 5 Personen bzw. zwei Mahlzeiten für uns beide. (Sohnemann weigert sich nämlich, „so etwas“ zu essen, und musste sich mit Resten begnügen.)
Hier also die Zutaten:
250 g Berglinsen
25 g getrocknete Steinpilze
100 g durchwachsener Speck
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 TL Thymianblättchen, frisch oder getrocknet
100 g vorgegarte Maronen
3 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer,
2-3 EL dunkler Balsamico-Essig
Linsen
Zubereitung:
Die getrockneten Steinpilze mindestens 1 Stunde in 0,5 l lauwarmem Wasser einweichen.
Linsen ebenfalls in 1 l kaltem Wasser einweichen (ist nicht unbedingt nötig, verkürzt jedoch die Garzeit).
Zwiebeln schälen und fein würfeln. Knoblauch ebenfalls schälen und fein hacken oder durchpressen. Speck würfeln. Eingeweichte Steinpilze durch ein Papier-Küchentuch abseihen, Einweichwasser auffangen. Pilze gut ausdrücken und grob hacken.
Öl in einem großen Topf erhitzen, Zwiebeln, Knoblauch und Speck kurz anschwitzen, dann die Pilze hinzufügen. Thymian dazugeben und mit dem Pilzwasser ablöschen. Die Linsen mit dem Einweichwasser dazugeben, mit Salz und Pfeffer würzen. Eintopf aufkochen und 45 Minuten lang leise köcheln lassen. Gelegentlich umrühren. 15 Minuten vor Ende der Garzeit die Maronen in Würfel schneiden und hinzufügen. Mit Salz, Pfeffer und Balsamico-Essig abschmecken.
Ich habe, nachdem ich die Linsen abgeschmeckt hatte, eine in Stücke geschnittene Süßkartoffel auf den Eintopf gelegt und sie bei geschlossenem Topf die letzten 15 Minuten mitgaren lassen.
Wer mag, kann auch Salzkartoffeln dazu servieren. Für meinen Mann muss ich immer die bei uns am Niederrhein so beliebten Mettwürstchen im Eintopf mit heiß werden lassen. Ich bevorzuge Hähnchenkassler.
Dieser Eintopf ist eine sättigende Mahlzeit in der kalten Jahreszeit und bekommt durch das Pilzaroma und die süßlichen Maronen eine ganz eigene Note. Der Balsamico-Essig rundet den Geschmack perfekt ab.

Pastinaken – das verkannte Gemüse

Ihr Lieben,
 
diese Woche haben wir uns für ein Special entschieden, und zwar geht es um die Pastinake. Ein traditionelles, früher häufig verwendetes und heute fast in Vergessenheit geratenes Gemüse. Zu Unrecht, wie wir lernen werden. 🙂
 
Ich (Brigitte) werfe nicht gern Lebensmittel weg. Und in meinem Vorratskeller lag eine Packung Pastinaken, die ich vor einigen Tagen gekauft hatte, weil ich sie in einem Kalbsragout mitschmoren wollte. In der Zwischenzeit hatte ich jedoch meinen Menüplan geändert. Da lagen sie also nun, die Pastinaken. Und daneben ein einzelner Kohlrabi, der sich schon etwas gummiartig anfühlte. Höchste Zeit also, etwas daraus zu machen, denn in ein paar Tagen wären Pastinaken und Kohlrabi nicht mehr genießbar – höchstens noch für die Spitzmäuschen, die in meinem Kompost wohnen. Aber, wie gesagt, ich werfe ungern Lebensmittel weg.
 
Bisher wusste ich nicht sehr viel über die Pastinake, nur dass sie der Petersilienwurzel ähnlich sieht. Nun habe ich erfahren, dass sie bereits bei den Römern eines der beliebtesten Wurzelgemüse war und bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts in Deutschland und Österreich zu den Grundnahrungsmittel gehörte, dann aber von Kartoffeln und Karotten verdrängt wurde. In anderen Ländern dagegen ist sie nach wie vor ein sehr beliebtes Gemüse.
 
Die Pastinake ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen, allergenarm und vielseitig in der Zubereitung. Im Jahr 2011/12 war sie Gemüse des Jahres. Salate, Suppen, Hauptgerichte, sogar Süßspeisen und Kuchen können daraus hergestellt werden. Mittlerweile hat sie auch Eingang in die Sterneküche gefunden. Wenn das kein Grund ist, sie auch als ganz normale Hausfrau zu entdecken:

Ich zerließ einen Esslöffel selbstgemachtes Butterschmalz in einem Topf, fügte den geschälten und in Stücke geschnittenen Kohlrabi hinzu und ließ ihn einige Minuten andünsten. In der Zwischenzeit schälte ich die Pastinaken, schnitt sie in etwa ebenso große Stücke und gab sie zu den Kohlrabistücken. Nach ein paar Minuten, als alles zu duften anfing, würzte ich das Gemüse mit Salz und Pfeffer (wer es würziger mag, kann auch noch etwas gekörnte Brühe – Bio, natürlich und ohne Hefeextrakt – zugeben), löschte mit ganz wenig Wasser ab, legte den Deckel auf und garte es bei geringer Hitze, bis es weich, aber  noch bissfest war. Dann gab ich eine in dünne Ringe geschnittene Pepperoni dazu, die in meiner Küche in einem Topf wächst. Nun ließ ich zwei Esslöffel Frischkäse in dem Gemüse schmelzen, streute etwas Petersilie darüber und schmeckte noch einmal mit Salz ab. Und siehe da: das Ergebnis konnte sich sehen, aber vor allem schmecken lassen. Meine Mäuschen jedenfalls mussten sich mit den Gemüseabfällen begnügen.

Bild

Ganz ungewöhnlich, aber wirklich lecker war auch der Kuchen, den ich aus dem Wurzelgemüse gebacken habe. Ihr dürft auf das Rezept gespannt sein.