Waldmeister – Teil 2

Medaillon Mama
Ihr Lieben,
heute möchte ich Euch den Waldmeister nicht nur als Küchenkraut vorstellen, sondern auch als Heilkraut. Seine positive Wirkung ist leider fast in Vergessenheit geraten. Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil er, in größeren Mengen genossen, Kopfschmerzen, Schwindel und Verdauungsprobleme hervorrufen kann. Dabei hilft er, richtig dosiert, sogar gegen Kopfschmerzen. Das habe ich in den vergangenen Tagen mit meinem Waldmeister-Kombucha selbst erfahren.
In der Volksheilkunde hat dieses Kraut noch mehr zu bieten: innerlich gilt es als beruhigend, blutreinigend, krampflösend, schweißtreibend, gefäßstärkend, hilfreich nicht nur bei Kopfschmerzen und Migräne, sondern auch bei nervöser Schlaflosigkeit, nervöser Unruhe, bei Verdauungsbeschwerden, Blasensteinen, Herzschwäche, Nervenschmerzen, Venenschwäche, Ödemen und Menstruationsbeschwerden.
P1010478Da es die Blutgerinnung vermindert, sollten Menschen, die ein gerinnungshemmendes Medikament einnehmen, aber vorsichtig mit dem Verzehr von Waldmeister sein.
Äußerlich soll es als Tinktur bei Furunkeln, Ekzemen und schlecht heilenden Wunden helfen.
Im Kleiderschrank hält es Motten und Ungeziefer fern und parfümiert die Wäsche. Auch in Potpourries wird es gerne verwendet. Neben dem Bett, zusammen mit Lavendel, soll es für einen guten Schlaf sorgen. Oder man gießt sich vor dem Schlafengehen gleich eine Tasse Tee mit ein paar Blättchen Waldmeister auf.
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Sein typischer Duft entfaltet sich erst, sobald er zu welken beginnt. Verantwortlich dafür ist das Cumarin, das in größeren Mengen zu Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit führen kann. Aber keine Angst: die 3 Gramm, die pro Liter als Höchstmenge zum Verzehr empfohlen werden, erreicht man beim normalen Gebrauch nicht. Ich habe mit einer Briefwaage nachgewogen: 3 Gramm frische Blättchen passen gerade noch auf einen Esslöffel. So viel braucht man für kein Gericht. Am besten pflückt man ihn noch vor oder zu Beginn der Blüte. Dann ist der Cumaringehalt am niedrigsten. Um die Waldmeistersaison zu verlängern, lässt sich das Kraut übrigens auch einfrieren.
Hier ein Rezept für einen Tee gegen Schlaflosigkeit, das ich auf der Internetseite „Das Kräuter-Verzeichnis“ gefunden habe:
Zu gleichen Teilen Waldmeister, Baldrian, Hopfen, Melisse und Thymian mischen.

Einen Teelöffel der Mischung zusammen mit einer Tasse Wasser aufkochen, dann abgedeckt zehn bis fünfzehn Minuten ziehen lassen.

Vor dem Essen schluckweise und ungesüßt trinken.

 waldmeister teil 2

Dann bleibt mir jetzt nur noch, Euch eine geruhsame Nacht zu wünschen.

Ein fast vergessener Alleskönner…

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… und wie ein Sommercocktail ihn wieder ins Bewusstsein brachte

Bis vor ein paar Jahren fristete der Holunder ein Schattendasein. Bei unseren Vorfahren war das noch ganz anders: Die Kelten verehrten den Holunder sogar als heilige Pflanze. Bei den Germanen war er der Göttin Holle geweiht, der die Brüder Grimm in ihrem Märchen ein Andenken geschaffen haben. Sie wurde besonders in Bayern, Schwaben und im Elsaß als Hausgöttin verehrt, die Krankheiten heilen konnte. Die Opfer ihr zu Ehren wurden immer unter Holunderbüschen dargebracht. Seit Tausenden von Jahren kannte man die Heilkraft des Holunders. Die Menschen nutzten jeden Teil der Pflanze: die Blüten, Beeren, Blätter sowie die Rinde und auch die Wurzel. Erst die synthetisch hergestellten Medikamente verdrängten ihn wie viele der anderen alten Volksheilmittel. Eine Tablette zu schlucken ist ja auch viel einfacher, als Blüten und Beeren zu sammeln, zu verarbeiten und Saft oder Tee daraus zu kochen!
Mit dem größer werdenden Nahrungsangebot geriet der Holunder vielerorts auch als Nahrung in Vergessenheit. So veröffentlichte Henriette Davidis in ihrem berühmten Kochbuch, Ausgabe 1891, nur ein einziges Rezept, nämlich Holundermilch, eine Kaltschale, die mit Holunderblüten aromatisiert wurde. Sie schrieb dazu: „Die Holundermilch findet nur bei einzelnen Beifall, im allgemeinen wird der Holundergeschmack gescheut.“ Das war in Süddeutschland und Österreich anders: Im „Regensburger Kochbuch“ von Marie Schandri aus derselben Zeit finden wir drei Rezepte, angefangen mit Holunderküchleindie ebenfalls mit den Blüten hergestellt werden, zu Holundermus und -suppe aus den Beeren. Die Holundersuppe wird übrigens auch als „Fastensuppe“ angegeben. Marie von Rokitansky veröffentlichte in ihrem Kochbuch „Die Österreichische Küche“ von 1897 sogar vier Rezepte.
Ich kenne den Holunder auch noch aus meiner Kindheit in Bayern: Holunderblütenküchlein im Frühjahr waren ein billiges und schnelles Essen auf dem Land. Bei Erkältungskrankheiten musste ich manchmal einen Tee aus getrockneten Holunderblüten trinken. Wie bei allen „gesunden“ Tees tat ich auch dies nicht gerade mit Begeisterung. Ganz schrecklich schmeckte Holundersaft aus den Beeren, der ebenfalls als außerordentlich gesund galt. In der Alpenregion ist aber vor allem der Holunderblütensirup mit seinem herrlichen Geschmack, selbstgemacht oder aus dem Supermarkt, ein beliebter Zusatz geblieben, um Leitungs- und Mineralwasser geschmacklich „aufzupeppen“. In Österreich gibt es sogar eine Weißweinschorle mit Holunderblütensirup: den „Kaiser-G’spritzten“; mit Sekt ist es ein „Holundersekt“.
Was liegt da näher, als auch damit herum zu experimentieren? Es verwundert daher nicht, dass der mittlerweile in ganz Deutschland bekannte „Hugo“ seine Geburtsstunde in den Alpen, genauer gesagt, wohl in Südtirol hat. Dort mixte 2005 Roland Gruber in seiner Sanzeno Wein- und Cocktailbar einen Cocktail aus Prosecco, Zitronenmelissesirup, Minze und Soda, den er „Hugo“ nannte. Schon bald wurde der Zitronenmelissesirup durch Holunderblütensirup ersetzt und trat seinen Siegeszug nordwärts an. Fand man ihn bis zum Jahr 2010 nur in Bayern und Österreich auf den Getränkekarten, ist er mittlerweile in ganz Deutschland, bis hinauf nach Sylt, das Modegetränk.
Nach der Markteinführung des Holunderblütenlikörs 2007 wurde der Holunder insgesamt praktisch wiederentdeckt und auch in die gehobene Küchenszene aufgenommen. Da gibt es Holunderblütensauce, gelierte Holunderblüten, Wild mit Holundersauce, raffinierte Brotaufstriche, Holunderessige, Kuchen und Torten mit Holunder usw., usw. Henriette Davidis würde sich die Augen reiben!

Der Granatapfel – mehr als nur ein Stück Obst

Nach all dem Süßkram finde ich (Brigitte) es an der Zeit, mich mal wieder in puncto Gesundheit zu Wort zu melden.
Hier also mein versprochener Beitrag über den Granatapfel.
Der Granatapfel ist von jeher ein Symbol für ewige Jugend, Schönheit, Liebe und, nicht zu vergessen, Fruchtbarkeit. Der Saft, die Kerne und sogar die Rinde galten schon im Altertum als heilsam. Granatäpfel sind wahre Multitalente, wenn es um das Thema Gesundheit geht – das meinen auch viele Ernährungs-Experten.
Zugegebenermaßen hatte ich davon nur eine vage Ahnung, als ich das erste Mal Granatapfel-, gemischt mit Orangensaft trank. Es war vor einigen Jahren auf einer Rundreise durch die Türkei. Als wir nach mehreren Stunden Busfahrt im Taurusgebirge unsere erste Rast machten, hatten wir nicht nur Durst, sondern auch ein Verlangen nach etwas richtig Erfrischendem. Daher griff ich gerne zu, als auch Orangen-, gemischt mit Granapfelsaft angeboten wurde – frisch gepresst, versteht sich. Nun ja, der Geschmack war nicht gerade eine kulinarische Offenbarung. Aber das etwas herbe, süß-säuerliche Getränk verfehlte seine Wirkung nicht: Unser Durst war gestillt, wir fühlten uns erfrischt – und irgendwie wirkte es sich auch wohltuend auf meinen empfindlichen Magen aus.
Kein Wunder: im Orient trinkt man den Saft aus Granatäpfeln traditionell als wirksame Unterstützung bei Magenschmerzen und Verdauungsstörungen.
Doch erst vor kurzem haben die besonderen Inhaltsstoffe dieser Frucht das Interesse der Wissenschaft geweckt. Es sind die vielen bioaktiven Stoffe, allen voran die sekundären Pflanzenstoffe und Tannine, die den Granatapfel zu einem gesundheitlichen Powerpaket machen. Sie schützen die Körperzellen vor schädlichen Einflüssen, können den Alterungsprozess verlangsamen und entzündungshemmend wirken. Daneben enthalten Granatäpfel Pektine, Mineralstoffe wie Kalium und Spurenelemente wie Eisen, einige B-Vitamine sowie die Vitamine C, E und K.
Forscher haben herausgefunden, dass der regelmäßige Verzehr von Granatäpfeln
  • das Herz schützt, indem sie den Blutdruck regulieren und die Durchblutung der Herzkranzgefäße verbessern
  • Arteriosklerose vorbeugt
  • sich positiv auf den Magen-Darmtrakt und auf die Verdauung auswirkt
  • den Zuckerstoffwechsel unterstützt, also Diabetes vorbeugt und positiv beeinflusst
  • Mikroorganismen hemmt
  • Knochen und Gelenke schützt
  • die körpereigenen Abwehrkräfte stärkt
  • gereizte Nerven beruhigt
Übrigens: Menschen, die auf viele Früchte allergisch reagieren, sollten Granatäpfel ausprobieren. Sie sind besonders gut verträglich.
Neueste Laborstudien deuten darauf hin, dass Granatapfelextrakt sogar das Wachstum von Krebszellen hemmen kann. Die Studien werden fortgeführt.
Die Kerne des Granatapfels enthalten wertvolles Öl mit ungesättigten Fettsäuren sowie einfach gebaute Östrogene, die der Körper gut nutzen kann. Das ebenfalls darin enthaltene Vitamin E hilft gegen Stress. Die einzigartig gebauten Fettsäuren nähren die Haut und stärken ihre Abwehrkraft. Deshalb sollte man die Kerne mit zerkauen und sich so das kostbare Öl erschließen. Man kann es übrigens auch kaufen und zur Hautpflege nutzen.
Wie gut, dass Granatäpfel gerade in der kalten Jahreszeit angeboten werden! Sie helfen meiner Familie, gesund und fit durch den Winter zu kommen. Zum Trinken schneide ich sie einfach in der Mitte durch und presse sie zusammen mit Orangen auf einer Zitruspresse aus. Ein Glas Saft zum Frühstück ist ein guter Start in den Tag.
Aus Granatapfelsaft kann man natürlich auch andere Cocktails mixen oder ein Gelee kochen.
Die Kerne löse ich aus der Frucht, indem ich am Stielansatz ein Viereck in die Schale schneide und herausnehme. Dann lässt sich der Granatapfel gut auseinanderbrechen. Mit den Fingern oder einem Teelöffel kann man dann die einzelnen Samen herauslösen. Sie können über Salate, Kuchen, Desserts (wie bei meiner Silvester-Nachspeise) oder auch über Fleischgerichte gestreut werden. Ich bevorzuge dafür die gelben Früchte, die fast ausschließlich von türkischen Händlern angeboten werden. Im Gegensatz zu ihren roten Verwandten sind deren Kerne weicher und angenehmer zu kauen.
Gestern war ich in der Stadt und habe mir wieder einen ganzen Vorrat an Granatäpfeln mitgebracht.