Apfel-Holunder-Gelee

Medaillon Mama

Ihr Lieben,

so langsam füllt sich unser Vorratskeller mit allerlei selbstgemachten Köstlichkeiten. Neben der Brombeerkonfitüre steht ein ganzes Regalbrett voll mit Aprikosenkonfitüre und Apfelgelee. Daneben stapeln sich Gläser mit unserem beliebten Tomatensugo. Vor ein paar Tagen dachte ich noch, das reiche wohl für dieses Jahr. Bis … ja bis Sohnemann mir eine Tasche voll selbstgepflückter Äpfel auf die Terrasse gestellt hat. Es waren ca. 15 kg! Also noch einmal Apfelgelee! Übrig blieben trotzdem noch 10 kg Äpfel. Dann ergab es sich, dass wir im Zuge von Gartenarbeiten Holunderzweige abschneiden mussten. Und daran hingen noch reife Holunderbeeren. Eine große Schüssel voller Dolden kam da zusammen. Also entschloss ich mich, beide Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und Apfel-Holunder-Gelee zu kochen.

Ich brauchte dafür:

Äpfel

Holunderbeeren

Gelierzucker für Gelee 1:1

(und natürlich Marmeladengläser!)

Dazu kam mein Dampfentsafter zum Einsatz.

Den gelochten Dampfeinsatz füllte ich zunächst zu 3/4 mit gewaschenen, geviertelten Äpfeln. Schale und Kerngehäuse durften bleiben, denn darin befindet sich reichlich das zum Gelieren notwendige Pektin. Nur der Stiel, die Blüte und etwaige Wurmgänge mit Würmern wurden entfernt ;-).

Die ebenfalls gewaschenen Holunderbeeren löste ich mit einer Gabel von den Dolden und streute sie über die Apfelstücke. (Ein paar verbliebene Zweiglein stören nicht!) Dann füllte ich den Dampfeinsatz mit weiteren Äpfelstücken bis kurz unter den Rand und legte den Deckel auf.

Nachdem der unterste Topf zur Hälfte mit Wasser gefüllt und der Dampfgarer ordnungsgemäß zusammengesetzt war, brachte ich das Wasser auf dem Herd zum Kochen. Mit kleiner Hitze durfte es nun einige Stunden köcheln. Den heißen Saft, der im Schlauch sichtbar wurde, ließ ich von Zeit zu Zeit mit der gebotenen Vorsicht (!) in ein extra Gefäß laufen.

Sobald die Früchte keinen Saft mehr abgaben, wurde der Saft abgemessen und in einen ausreichen großen Topf geschüttet. Nun kam der berühmte Dreisatz zum Einsatz. Erinnert Ihr Euch? Wenn man für 1 Liter Saft 750 g Gelierzucker nimmt, dann benötigt man wie viel Gramm Gelierzucker für 1800 ml Saft? Heraus kam: 1350 Gramm! (Es kann auch etwas mehr genommen werden, je nachdem, wie sauer die Äpfel sind. Doch da kann man später noch abschmecken und  „nachbessern“. )

Der Saft zusammen mit dem Gelierzucker wurde unter Rühren aufgekocht und durfte bis zum Gelierpunkt köcheln. Dies kann durchaus 15 bis 30 Minuten dauern. Sobald aber der letzte Tropfen am Kochlöffel wie an einem „Faden“ hängen bleibt, gebe ich noch etwas Gelee auf einen Teller, um zu sehen, ob sich auf dieser „Pfütze“ so etwas wie eine Haut bildet. Wenn ja, fülle ich das Gelee kochendheiß und zügig in vorbereitete, mit kochendem Wasser sterilisierte Gläser, die ich sofort verschließe.

Äpfel und Holunder harmonisieren geschmacklich perfekt, und so habe ich ein nicht alltägliches, köstliches Gelee bekommen, das sich auch als besonderes Weihnachtsgeschenk eignet.

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Die übrig gebliebenen Äpfel versuche ich erst einmal zu lagern und überlege mir in der Zwischenzeit, wie ich sie noch verwende.

 

 

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Apfel-Holunderkuchen: Glutenfrei, ohne Weißmehl und ohne Zucker

medaillon tatjana

… und trotzdem sehr lecker 🙂

Diesen Kuchen gab es für meine Kollegen anlässlich meines Geburtstags. Leider ohne Foto, dazu bin ich nicht gekommen.

Alle wissen, dass ich gerne süß backe (und esse), daher dachte ich, ich überrasche sie mal mit etwas anderem. Deswegen habe ich mich für zwei Kuchen aus dem Buch Kuchenwunder von GU entschieden. Zum Einen gab es einen Pumpkin Cheesecake und zum anderen diesen Apfel-Holunder-Kuchen. Regelmäßige Auf die gute (alte) Art-Leser wissen, dass Holunder zu meinen absoluten Lieblingen gehört. Daher stand dieses Rezept schon lange auf meiner Nachback-Liste. Abgewandelt wurde das Rezept natürlich trotzdem 🙂

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Ihr braucht:

(Für den Teig):

3 Eier

1 Prise Salz

4 EL Ahornsirup

75g Buchweizenmehl

(Für den Belag und die Garnitur):

200 g Creme Fraiche

3 EL Ahornsirup

750 g Boskop-Äpfel

200ml Apfelsaft

1/4 l Holundersaft

Zimt, Nelken

1 Pkg. Vanillepuddingpulver

Backofen vorheizen und eine 28er Springform fetten.

Für den Biskuit die Eier mit dem Salz und dem Ahornsirup sehr cremig aufschlagen (je länger ihr schlagt, desto mehr schöner wird Euer Biskuit). Das Buchweizenmehl ganz sanft und vorsichtig unter die Eiermasse heben.

Im Ofen bei 180°C ca. 15 Minuten backen.

Die Äpfel schälen und vierteln. Den Apfel- und den Holundersaft mit den Gewürzen aufkochen. Dann die Äpfel dazugeben und ca. 5 Minuten im heißen Saft weichwerden lassen.

Dann die Äpfel herausfischen und abtropfen, den Saft braucht ihr noch. Im Originalrezept wird der Saft nicht weiter gesüßt, ich habe aber noch einen guten Spritzer Ahornsirup dazugegeben. Insgesamt brauchen wir 450ml Saft, falls ihr zu wenig habt, mit Holunder- oder Apfelsaft aufgießen.

Während die Äpfel und der Saft auskühlen, die Creme Fraiche mit 3 EL Ahornsirup verrühren und gleichmäßig auf den Biskuitboden streichen. Die Äpfel darauf verteilen.

Für den Guss das Puddingpulver nach Gebrauchsanleitung statt mit Milch mit dem Holundersaft zubereiten.

Diese Masse wird dann über die Äpfel verteilt. Achtet darauf, dass die Äpfel bedeckt sind und arbeitet schnell, der Guss hat bei mir sofort anfangen, fest zu werden.

Dann den Guss erkalten lassen.

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Im Originalrezept wurde Apfeldicksaft verwendet, wahrscheinlich stimmten bei mir deshalb die Mengenangaben nicht genau. Wenn Ihr Ahornsirup verwendet, achtet daher darauf, dass ihr bei allen Teilschritten probiert, ob Euch die jeweilige Masse süß genug ist. Mir war das Originalrezept an vielen Stellen nicht süß genug und ich habe nachgesüßt. Aber das ist natürlich Eurem persönlichen Empfinden überlassen 🙂

Erntedank-Special – Holunder-Pflaumen-Marmelade

erntedank
Kürzlich kaufte ich eine Schale mit Pflaumen. Glänzend und beinahe schwarz hatten sie mich richtiggehend „angelacht“. Als ich sie jedoch zu Hause probierte, hätte ich sie am liebsten gleich wieder zurückgebracht. So etwas Geschmackloses war mir schon lange nicht mehr untergekommen. Vielleicht würden sie noch etwas nachreifen? Ich hätte es wissen müssen: Pflaumen, die nach gar nichts schmecken, werden auch nach ein paar Tagen nicht besser. Kompott? Mit etwas Zucker, Zimt und Zitronensaft gekocht, waren sie dann doch genießbar. Nun hatte ich aber immer noch einige der appetitlich aussehenden Früchte übrig. In Verbindung mit Holunderbeersaft als Konfitüre könnte es gehen. Holundersaft hatten wir noch genug im Gefrierschrank. Der muss sowieso entlastet werden, damit ich ihn demnächst abtauen kann.
Hol-Pfl.XIX
Ich entfernte den Stein aus den Pflaumen, schnitt sie in Stücke und wog sie ab. Es waren 500 g, die ich mit derselben Menge Gelierzucker und zwei EL Wasser verrührte und kurz aufkochen ließ.
Zu den 750 ml Holundersaft gab ich ebenfalls 500 g Gelierzucker, fügte die aufgekochten Pflaumen sowie ein etwa 3 cm langes Stück Zimtstange und ein Eckchen Sternanis hinzu. Dann kochte ich das Ganze auf und ließ es unter ständigem Rühren etwa 15 Minuten kochen. Zwischendurch schmeckte ich die Masse mit dem Saft einer halben Zitrone ab. Die Gelierprobe am Kochlöffel und auf einem Teller war allerdings nicht zufriedenstellend und wurde auch nach weiteren 5 Minuten nicht besser. Also verrührte ich 1 EL Zucker mit 2 EL Apfelpektin-Pulver und rührte dies unter die kochende Konfitüre. Nach einer weiteren Minute war ich mit der Gelierprobe zufrieden. Ich entfernte die Gewürze und füllte die Konfitüre in die mit kochendem Wasser sterilisierten und bereitgestellten Twist-off-Gläser.
Holunder-Pflaume
Und wer hätte das gedacht? Als wir die Konfitüre am nächsten Morgen probierten, da wusste ich: das wird in dieser Saison meine Lieblingsmarmelade!
Ob wohl noch welche für Geschenke übrig bleiben werden?

Erntedank-Special – Holundersaft

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Wer mich kennt, weiß es längst. Ich liebe Holunder. Die Blüten, die Beeren und sogar die Blätter lassen sich verarbeiten. Und die zahlreichen Mythen, Märchen und Legenden rund um den Holunder verleihen diesem doch relativ unscheinbaren Strauch den Glanz, den er verdient. Außerdem wächst er überall, in Gärten, an Feldwegen, am Waldrand und sogar in der Stadt.

Letztes Jahr habe ich bereits im Blog meiner Freundin Anna einen Gastbeitrag über den Hollerstrauch geschrieben, von dessen Inhalt bediene ich mich jetzt ein bisschen. Ihr könnt den Originalbeitrag hier noch einmal nachlesen. 🙂

Dann beginnen wir doch jetzt mit der Schwärmerei, bevor ich Euch später natürlich auch noch das Rezept für einen selbstgemachten Holundersaft verrate. (Der schmeckt pur übrigens gar nicht mal so gut, ist aber wahnsinnig gesund und dient uns eigentlich nur als Basis für zahlreiche Rezepte, die wir Euch natürlich auch im Laufe der nächsten Wochen noch vorstellen). Also: Stay tuned 🙂

Wusstet ihr, dass die Germanen den Holunder ihrer Schutzgöttin Frau Holle widmeten? Deswegen heißt er heute noch in einigen Regionen Deutschlands Holler. Außerdem beheimatet er Schutzgeister, bringt Hauseigentümern Glück (also, wer einen Garten hat: Holunder pflanzen), er schützt vor Feuer, Blitzschlag und Mückenstichen.

Und wenn ihr Euch an Mittsommer bei Sonnenuntergang unter einen Holunderbaum setzt, seht ihr vielleicht sogar die Elfen tanzen.

Bei uns scheint dieser Mythos zu stimmen, schaut mal, was wir unter der Krone des Holunders gefunden haben:

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Spannend, oder? 🙂 Aber zurück zum Holunder. Er ist wahnsinnig gesund. Aus den Blüten lässt sich ein Tee brühen, der Fieber senkend wirkt und das Immunsystem stärkt  (gerade in der Grippezeit im Herbst und Winter ein Geheimtipp). Außerdem wirkt er Blut reinigend und hilft so gegen Rheuma und Hautunreinheiten. Und durch seine entgiftenden Eigenschaften ist er sogar ein richtiger Schlankmacher. Frische Blüten bekommt ihr jetzt natürlich leider nicht mehr, aber in der Apotheke gibt es sie in getrockneter Form.

Die Beeren enthalten sehr viel Vitamin C und sogar aus den Blättern lässt sich eine Salbe herstellen, die bei Verstauchungen und Wunden hilft.

Der Saft lässt sich aus den reifen Beeren relativ einfach herstellen – vor allem, wenn ihr einen Dampfentsafter habt.

Aber auch wenn nicht, kein Problem. Was ihr braucht sind (außer den Beeren selbst natürlich) ein großer Topf, ein sauberes Geschirr- oder Mulltuch und ein großes Standsieb.

Zunächst zupft ihr die Beeren von den Dolden und braust sie mit kaltem Wasser ab. Dann gebt ihr sie in einen Topf, gebt einen Daumenbreit Wasser dazu und lasst alles ca. 15 Minuten kochen, bis die Beeren schrumpelig sind und sich gut ausdrücken lassen.

Dann sterilisiert ihr das Geschirrtuch mit kochendem Wasser und wringt es gut aus (VORSICHT HEISS!). Das Geschirrtuch legt ihr in das Standsieb und stellt beides wiederum auf eine große Schüssel oder einen Topf. Dann seiht ihr die Beeren im Sieb ab.

Um möglichst viel Saft zu erhalten, lasst ihr die Beeren entweder über Nacht abtropfen oder ihr bindet das Tuch oben zusammen und wringt es über dem Topf oder der Schüssel kräftig aus.

Wichtig ist, sauber zu arbeiten, das heißt, ihr solltet alle eure Werkzeuge und Behältnisse, in denen ihr den Saft aufheben wollt, mit kochendem Wasser sterilisieren und Handschuhe tragen.

Holunder

Und wenn ihr Euch die Arbeit nicht machen möchtet oder es verpasst habt, die Beeren rechtzeitig zu ernten, bekommt ihr den Muttersaft auch im Reformhaus oder natürlich online.

Was man so alles mit frischem Holundersaft zaubern kann, erfahrt ihr dann in unseren nächsten Beiträgen 🙂

Erntedank-Special – Holunder-Balsamico-Essig

erntedank
Nachdem Tatjana Unmengen von Holundersaft hergestellt hat (Anmerkung von Tatjana: Fiese Verleumdung, dies Jahr waren es nur ca. 2 Liter!), den wir unmöglich trinken werden, habe ich mir überlegt, wie man ihn weiter nutzen könnte. Bei meiner Suche bin ich auf die Idee zu diesen Essigen gestoßen, die wunderbar zu herbstlichen Salaten passen.
Holunder
Die Herstellung geht ganz einfach:
Holundersaft-Balsam-Essig
600 ml dunkler Balsamico,
300 ml ungesüßter Holundersaft und
180 ml Rohrohrzucker werden in einem Topf vermischt.
Dazu kommen 1 Stück Zimtstange, 6 Pimentkörner und 2 Gewürznelken.
Das Ganze aufkochen und 15 Min. köcheln lassen. Wenn der Essig etwas eingedickt ist, wird er durch ein Sieb gegossen und in sterilisierte Flaschen oder Fläschchen abgefüllt.
In meinem Gefrierschrank entdeckte ich auch noch schwarze Johannisbeeren und Apfelsaft vom Vorjahr und ließ mich davon zu einer Variante inspirieren, die ich Euch ebenfalls nicht vorenthalten möchte:
Apfel-Holunder-Cassis-Balsamico
750 ml dunklen Balsamico,
750 ml ungesüßten Holundersaft,
750 ml ungesüßten Apfelsaft und
150 g schwarze Johannisbeeren habe ich mit
330 g braunem Zucker vermischt.
Ich fügte 1/2 Zimtstange, 15 Pimentkörner, 5 Gewürznelken, und 1 Spalte Sternanis hinzu
und ließ wieder alles einköcheln. Danach ging es wie oben beschrieben weiter.
Mit beiden Essigen kann man auch wunderbar Wildsaucen abschmecken und ihnen so einen besonderen Pfiff geben. Rotkohl schmeckt ebenfalls sehr delikat damit.
essig
Oder wie wäre es mit einem einfachen und schnellen Feigen-Dessert?
Dazu heize ich zunächst den Backofen auf 200 °C vor. Die Feigen (so viele, wie gewünscht) werden kreuzweise eingeschnitten, ein wenig geöffnet und in ein feuerfestes Gefäß gesetzt. Dann werden sie mit dem Apfel-Holunder-Cassis-Balsamico betreufelt. Darüber etwas flüssigen Honig geben und zum Schluss mit gehackten Cashew- oder anderen Nüssen bestreuen. Ab damit in den Backofen. Sobald die Nüsse leicht gebräunt sind, aus dem Ofen nehmen und servieren. Wer mag, kann sie mit Vanilleeis, Pflaumenkompot o.Dergl. anrichten.

Ein fast vergessener Alleskönner…

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… und wie ein Sommercocktail ihn wieder ins Bewusstsein brachte

Bis vor ein paar Jahren fristete der Holunder ein Schattendasein. Bei unseren Vorfahren war das noch ganz anders: Die Kelten verehrten den Holunder sogar als heilige Pflanze. Bei den Germanen war er der Göttin Holle geweiht, der die Brüder Grimm in ihrem Märchen ein Andenken geschaffen haben. Sie wurde besonders in Bayern, Schwaben und im Elsaß als Hausgöttin verehrt, die Krankheiten heilen konnte. Die Opfer ihr zu Ehren wurden immer unter Holunderbüschen dargebracht. Seit Tausenden von Jahren kannte man die Heilkraft des Holunders. Die Menschen nutzten jeden Teil der Pflanze: die Blüten, Beeren, Blätter sowie die Rinde und auch die Wurzel. Erst die synthetisch hergestellten Medikamente verdrängten ihn wie viele der anderen alten Volksheilmittel. Eine Tablette zu schlucken ist ja auch viel einfacher, als Blüten und Beeren zu sammeln, zu verarbeiten und Saft oder Tee daraus zu kochen!
Mit dem größer werdenden Nahrungsangebot geriet der Holunder vielerorts auch als Nahrung in Vergessenheit. So veröffentlichte Henriette Davidis in ihrem berühmten Kochbuch, Ausgabe 1891, nur ein einziges Rezept, nämlich Holundermilch, eine Kaltschale, die mit Holunderblüten aromatisiert wurde. Sie schrieb dazu: „Die Holundermilch findet nur bei einzelnen Beifall, im allgemeinen wird der Holundergeschmack gescheut.“ Das war in Süddeutschland und Österreich anders: Im „Regensburger Kochbuch“ von Marie Schandri aus derselben Zeit finden wir drei Rezepte, angefangen mit Holunderküchleindie ebenfalls mit den Blüten hergestellt werden, zu Holundermus und -suppe aus den Beeren. Die Holundersuppe wird übrigens auch als „Fastensuppe“ angegeben. Marie von Rokitansky veröffentlichte in ihrem Kochbuch „Die Österreichische Küche“ von 1897 sogar vier Rezepte.
Ich kenne den Holunder auch noch aus meiner Kindheit in Bayern: Holunderblütenküchlein im Frühjahr waren ein billiges und schnelles Essen auf dem Land. Bei Erkältungskrankheiten musste ich manchmal einen Tee aus getrockneten Holunderblüten trinken. Wie bei allen „gesunden“ Tees tat ich auch dies nicht gerade mit Begeisterung. Ganz schrecklich schmeckte Holundersaft aus den Beeren, der ebenfalls als außerordentlich gesund galt. In der Alpenregion ist aber vor allem der Holunderblütensirup mit seinem herrlichen Geschmack, selbstgemacht oder aus dem Supermarkt, ein beliebter Zusatz geblieben, um Leitungs- und Mineralwasser geschmacklich „aufzupeppen“. In Österreich gibt es sogar eine Weißweinschorle mit Holunderblütensirup: den „Kaiser-G’spritzten“; mit Sekt ist es ein „Holundersekt“.
Was liegt da näher, als auch damit herum zu experimentieren? Es verwundert daher nicht, dass der mittlerweile in ganz Deutschland bekannte „Hugo“ seine Geburtsstunde in den Alpen, genauer gesagt, wohl in Südtirol hat. Dort mixte 2005 Roland Gruber in seiner Sanzeno Wein- und Cocktailbar einen Cocktail aus Prosecco, Zitronenmelissesirup, Minze und Soda, den er „Hugo“ nannte. Schon bald wurde der Zitronenmelissesirup durch Holunderblütensirup ersetzt und trat seinen Siegeszug nordwärts an. Fand man ihn bis zum Jahr 2010 nur in Bayern und Österreich auf den Getränkekarten, ist er mittlerweile in ganz Deutschland, bis hinauf nach Sylt, das Modegetränk.
Nach der Markteinführung des Holunderblütenlikörs 2007 wurde der Holunder insgesamt praktisch wiederentdeckt und auch in die gehobene Küchenszene aufgenommen. Da gibt es Holunderblütensauce, gelierte Holunderblüten, Wild mit Holundersauce, raffinierte Brotaufstriche, Holunderessige, Kuchen und Torten mit Holunder usw., usw. Henriette Davidis würde sich die Augen reiben!

Hollerküchle

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Oder auf Hochdeutsch: Holunder-Küchlein

Eigentlich wollte ich Euch heute ein Rezept für einen erfrischenden Eistee vorstellen. Allerdings regnet es hier wie aus Eimern, daher bevorzuge ich Tee heute eher in heißer Form.

Die Hollerküchle sind aber bei jedem Wetter lecker und mit ihrem süßen blumigen Geschmack heben sie auf jeden Fall die Stimmung. 🙂

Eigentlich eine ganz traditionelle Leckerei – in großen Teilen Deutschlands aber bereits in Vergessenheit geraten. Aber nicht bei uns, denn diese Küchlein haben einen feinen und ganz besonderen Geschmack!

Ihr braucht:

12 große Blütendolden

1 EL Butter

100 g Mehl

2 EL Zucker

Salz

150 ml Bier

50 ml Wasser

1 Ei

Öl

Die Blütendolden kräftig ausschütteln und nach Insekten auslesen.

Dann die Butter schmelzen, das Mehl, den Zucker und das Salz mischen. Das Ei trennen (das Eiweiß auffangen), und Butter und Eigelb unter die Mehlmischung ziehen. Das Bier und das Wasser dazugeben und alles eine halbe Stunde bei Zimmertemperatur quellen lassen.

Dann das Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen und unter den Teig heben.

Das Öl erhitzen – es muss richtig heiß sein, macht am besten die Probe mit einem Holzlöffel. Wenn sich am Stiel Bläschen bilden, ist die Temperatur richtig.

Die Blütendolden in den Teig tunken, kurz abtropfen lassen und im heißen Fett goldbraun ausbacken. Achtung, unbedingt dabei stehen bleiben, die Blüten benötigen nur eine kurze Zeit im Öl.

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Auf einem Küchentuch abtropfen, ggf. mit Puderzucker oder Zimt bestreuen und genießen 🙂

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Holunderblüten-Sirup

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Wie bereits angekündigt, beginnt nun unser Holunderblüten-Special. Los geht’s mit dem Holunderblüten-Klassiker schlechthin: Holunderblüten-Sirup.

Wer die letzten Beiträge aufmerksam gelesen hat, hat erfahren, dass ich Sirup liebe (weil man ihn in Sekt kippen kann). Und ich mag so ziemlich alles, was sich in Sekt kippen lässt – oder alternativ auch in Mineralwasser. 🙂 Habt ihr schon einmal versucht, ca. 1 EL TK-Waldbeeren in einem Glas mit Sekt aufzugießen? Ein Traum. Aber ich schweife ab.

Zurück zu meinem geliebten Holunder. Zur Ernte muss ich nicht mal auf die Suche gehen, bei meinen Eltern im Garten steht ein großer Baum. Was läge da also näher, als Holunderblüten-Sirup anzusetzen? Eben!

Jedes Jahr muss ich mich dazu zwingen, ca. die Hälfte der Blüten stehen zu lassen, damit ich im Spätsommer auch noch Beeren ernten kann. Daraus lassen sich auch traumhafte Dinge herstellen.

Aber hier kommt nun erst einmal das Rezept für den Holunderblüten-Sirup.

Ihr braucht:

ca. 20 schöne große Blütendolden

2 Liter Wasser

1,5 kg Zucker

2 Zitronen

Zunächst kocht ihr das Wasser und den Zucker ca. 10 Minuten sprudelnd zu einem Sirup ein. In der Zwischenzeit könnt ihr die Blüten kräftig ausschütteln und ggf. Insekten auslesen (ja, auch die lieben das Aroma der Blüten).

Dann die Zitronen auspressen, den Saft auffangen und die ausgepressten Hälften mit zum Sirup geben.

Den Topf von der Herdplatte nehmen und die Blüten und den Zitronensaft zu dem Sirup geben.

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Jetzt heißt es warten. Ich lasse den Topf zugedeckt immer ca. 1 Woche stehen. Am besten an einem kühlen und dunklen Ort.

Dann den Sirup durch einen Kaffeefilter abgießen, noch einmal sprudelnd aufkochen und in sterilisierte Flaschen abfüllen.

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Yummy 🙂 Ein paar Tipps, was Ihr damit so alles anstellen könnt, bekommt Ihr in einem der nächsten Beiträge. 🙂

Holunderblüten-Special 2014

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Der Holunder

An einem weißen Holda-Strauch,
mit Götter-Doldenblüten,
da reift ein federleichter Hauch,
um Menschen zu behüten.

Der Holler wächst mit Wunderkraft,
in weichen Flötentönen,
er zaubert holden Beerensaft,
um Früchte zu verschönen.

So manche Hexe zieht kein Hut,
sie bricht ihn für den Besen,
und braut aus vollem Übermut,
das Leid für „arme Wesen.“

Doch wer am nahen „Zauber“ ruht,
verfällt dem Glanz der Träume,
dem geht es ganz und gänzlich gut,
im Schutze – der Holunderbäume.

© Gabriela Bredehorn

Wer mich kennt, weiß, dass der Holunder zu meinen absoluten Lieblingspflanzen gehört. Er ist behaftet mit Mythen und Märchen, schenkt uns gleich zwei Mal im Jahr eine Ernte und alle seine Teile – Blüten, Beeren und Blätter – lassen sich in der Küche verwerten – und tun unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden gut.

Jetzt im Mai und Juni ist die Zeit der Holunderblüten. Sie sehen wunderschön aus, duften betörend und haben ein sanftes, aber ganz spezielles Aroma.

Kein Wunder also, dass wir ihnen ein eigenes Special widmen. Freut Euch in den nächsten Wochen also auf vielfältige Informationen, Tipps und Rezepte.

Silvester auf Orientalisch – Hauptspeise und Dessert

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Die Hauptspeise bestand aus marokkanischem Zitronenhühnchen, Rosmarin-Kartoffelfächer und Backofengemüse mit Balsamico-Reduktion.
Hier das Rezept für das marokkanische Zitronenhühnchen:
Ich konnte im Bio-Supermarkt 2 französische Bio-Hühnchen allererster Qualität zu einem Supersonderpreis erstehen. Es geht aber auch mit ganz normalen Brathühnchen.
Außerdem benötigt man:
1 Salzzitrone
10 schwarze Oliven
9 etwa 10 cm lange Rosmarinzweige
2 EL Kräuterbutter
Salz, Pfeffer, edelsüßer Paprika
einen ordentlichen Schuss guten Glühwein
Den Backofen auf 175 °C Umluft vorheizen.
Die Hähnchen innen und außen großzügig mit Salz und Pfeffer einreiben.
Danach vorsichtig die Haut an der Brust ablösen und jeweils 1 EL Kräuterbutter darunterschieben und durch Druck auf die Haut etwas verteilen.
Einen Bräter mit zwei EL Olivenöl ausstreichen, zwei Rosmarinzweige und die Oliven darin verteilen.
Die Salzzitrone vierteln, das Innere herauslösen und ebenfalls in den Bräter geben. Die Hühnchen darauflegen (Brüste nach oben) und mit Paprika bestäuben. Auf die Hühnchen die Schale der Salzzitronen und zwei der restlichen Rosmarinzweige verteilen. (Den letzten Zweig benötigte ich noch für die Kartoffelfächer). Den Bräter in den vorgeheizten Backofen schieben.
Nach 10 Minuten den Glühwein angießen. Insgesamt benötigen die Hühnchen 60 Minuten. Zwischendurch 1 – 2 Mal mit dem ausgetretenen Bratensaft begießen. Nach einer Stunde den Backofen ausschalten. Den Bratensaft durch ein Sieb abgießen und entfetten. Die Hühnchen noch etwa 10-15 Minuten im Backofen ruhen lassen. Die Sauce abschmecken, nach Geschmack mit Speisestärke andicken, kurz aufkochen lassen und zu den Hühnchen servieren.
Sobald die Hühnchen im Ofen waren, habe ich die Rosmarin-Kartoffelfächer vorbereitet:
Die geschälten, rohen Kartoffeln wurden in gleichmäßige dünne Scheiben ein-, aber nicht ganz durchgeschnitten,
mit den Einschnitten nach oben in ein gefettetes feuerfestes Gefäß gelegt,
mit Salz und Pfeffer gewürzt,
mit Olivenöl bestrichen,
mit Rosmarinnadeln bestreut.
10 Minuten, nachdem die Hühnchen im Backofen waren, schob ich die Kartoffeln eine Etage höher hinein.
Nach insgesamt 50 Minuten gesellte sich noch das Backofengemüse dazu:
Dafür hatte ich je eine gelbe, orange und rote Paprikaschote,
zwei feste Zucchini,
1 Bund Frühlingszwiebeln
und eine rote Zwiebel in mundgerechte Stücke geschnitten,
mit Salz, Pfeffer,
1 durchgepressten Knoblauchzehe herzhaft gewürzt und
mit 2 EL Olivenöl gut vermischt.
Das Gemüse wurde auf der Fettpfanne des Backofens gut verteilt und 10 Minuten vor Ende der Gesamt-Garzeit auf die oberste Leiste in den Backofen geschoben. Es war dann gemeinsam mit den Hühnchen und den Kartoffeln gar. Während die Hühnchen ruhten, ließ ich das Gemüse noch kurz mit kräftiger Oberhitze bräunen.
In der Zwischenzeit kochte ich 40 ml dunklen Balsamico-Essig mit 1 EL Zucker in einem kleinen Topf auf und ließ die Mischung 2-4 Minuten bei geringer Hitze köcheln, bis sie die Konsistenz von sehr flüssigem Honig hatte. Damit wurde das Backofengemüse beträufelt, bevor ich es serviert habe.
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Wer mich kennt, weiß, dass Gemüse und Obst in meiner Küche eine große Rolle spielen, und so hatte ich für den Nachtisch zwei reife Mangos gekauft, die ich, in Spalten geschnitten, mit einem (ich gestehe, fertig gekauften) Holunderblütensorbet anrichtete. Darüber träufelte ich eine Orangen-Granatapfel-Reduktion und garnierte das Ganze mit ausgelösten Granatapfelkernen und Pistazien. Ein selbstgebackenes Vanillekipferl als i-Tüpfelchen – et voila!
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