Laktosefreier Joghurt selbst gemacht

Medaillon Mama
Schon als Kind mochte ich keine Milch, obwohl wir auf dem Land wohnten und sie immer frisch gemolken direkt vom Bauern holten. Dann wurde sie abgekocht, und wir Kinder tranken zum Frühstück ein gesüßtes Kakaogetränk, das damals in Mode war und sich „… der Plantagentrank“ nannte. Manch einer von Euch erinnert sich bestimmt noch daran. Das liebte ich, aber ansonsten mied ich die Milch. Später bekam ich Durchfall, wenn ich Kaffee mit Milch getrunken hatte. Am schlimmsten war es während der Schwangerschaft: Da hatte ich oft Heißhunger auf Käsekuchen; doch immer wenn ich ein Stück gegessen hatte, lag ich wenig später mit Bauchkrämpfen auf der Couch. Es dauerte aber noch etliche Jahre, bis mir klar war, dass ich eine Laktoseintoleranz habe, also keinen bzw. nur wenig Milchzucker vertrage. Das ist keine Krankheit und auch keine Allergie: Heute weiß ich, dass mein Körper einfach nicht genung von dem Enzym produziert, das den Milchzucker im Dünndarm aufspaltet. Dadurch gelangt er in den Dickdarm und wird dort von Bakterien verarbeitet. Die Folge sind Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, ein aufgedunsener Bauch etc.
Bis vor einigen Jahren wusste man noch nicht viel darüber, obwohl hierzulande mindestens 15 % aller Menschen von einer Laktoseintoleranz betroffen sind.( In Asien übrigens ist es die Mehrzahl.) Mittlerweile gibt es viele laktosefreie Milchprodukte, sinnvolle und unsinnige, so dass eine ganze Industrie davon lebt. Butter oder die meisten Hartkäse zum Beispiel enthalten so wenig Laktose, dass ich sie problemlos essen kann. Die extra mit „laktosefrei“ beworbenen Produkte sind schließlich um einiges teurer. Normalen Joghurt kann ich ebenfalls ab und zu essen, ohne gleich Schwierigkeiten zu bekommen. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich biologische Milchprodukte generell besser vertrage als herkömmliche. Doch laktosefreie Bioprodukte sind nicht so ganz einfach zu bekommen. Im Bioladen habe ich einige gefunden, aber laktosefreien Bio-Quark beispielsweise gibt es auch dort nicht.
joghurt
Als ich neulich herausfand, dass man laktosefreien Joghurt ganz einfach selbst herstellen kann, habe ich meinen alten Joghurtbereiter aus dem Keller geholt und es einfach mal probiert. Es hat prima geklappt und nun bereite ich mir meinen laktosefreien Joghurt in Bio-Qualität selbst zu.
Dazu braucht man:
1 Liter Bio H-Milch (keine laktosefreie!)
1 Bio-Joghurt pur (ebenfalls nicht laktosefrei)
1 elektr. Joghurtbereiter
Milch und Joghurt ein paar Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen, damit sie in etwa die gleiche Temperatur annehmen. Beides in ein Gefäß geben und mit dem Schneebesen gut verrühren. In den Joghurtbereiter füllen, anschalten.
Bis hierhin ist es eine Anleitung für einen ganz normalen Joghurt. Der Unterschied, damit es ein laktosefreier Joghurt wird, besteht darin, dass man ihn 24 Stunden im Joghurtbereiter lassen muss. In der Zeit baut sich der Milchzucker fast vollständig ab.
Die Zubereitung im elektrischen Joghurtbereiter empfiehlt sich deshalb, weil die Temperatur von ca. 45 °C konstant 24 Stunden lang gehalten werden muss. „Normaler“ Joghurt kann auch im Backofen, in einer Thermobox, auf der Heizung etc. zubereitet werden. Dazu gibt es zahlreiche Anleitungen im Internet.
Gegen Milch, auch laktosefreier, habe ich immer noch eine Abneigung. Joghurt jedoch esse ich besonders jetzt im Sommer hin und wieder ganz gerne, zum Beispiel zusammen mit meiner Erdbeer-Holunderkonfitüre. Das ist so lecker; da kann kein industriell hergestellter Fruchtjoghurt mithalten!
Nachtrag:
Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass man auch aus laktosefreier H-Milch (ich nehme auch da die Bio-Variante) laktosefreien Joghurt herstellen kann. Ich hatte zufällig noch laktosefreie Milch, die dringend verarbeitet werden musste; also habe ich, wie oben beschrieben, damit Joghurt angesetzt, ihn aber nur über Nacht im Joghurtbereiter gelassen. Es hat prima geklappt. Manchmal sollte man vielleicht zuerst nachdenken, bevor man die Kollegin Suchmaschine zu Rate zieht!
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Rhabarber-Cheesecake mit Streuseln – laktose- und weizenfrei

Medaillon Mama
Die Rhabarbersaison ist leider nur noch kurz. Ich mag seinen säuerlichen Geschmack und es stört mich auch nicht, wenn sich meine Zähne danach ein wenig „stumpf“ anfühlen. Als Kompott mit ein paar Erdbeeren darin oder auch als Konfitüre in derselben Variante ist er für mich ein Hochgenuss. Ehemann und Sohn allerdings weigern sich, Rhabarber zu essen. Deshalb steht er bei mir nur dann auf dem Speiseplan, wenn Tatjana zum Wochenende nach Hause kommt. Sie mag ihn nämlich fast noch lieber als ich. Zufällig stieß ich nun vor ein paar Tagen im Blog „Zimtkeks und Apfeltarte“ auf Rezept und Bild eines Rhabarberkuchens mit Streuseln. Der sah so appetitlich aus, dass mir sofort das Wasser im Mund zusammenlief. Auch die Art der Zubereitung gefiel mir: Boden und Streusel bestehen aus ein- und demselben Teig, und auch die Käsemasse ist fix zusammengerührt. Dann wird alles in die Kuchenform „gepackt“ und gebacken. Solche Rezepte sind genau das Richtige für mich. Da das Wochenende und damit Tatjanas Besuch vor der Tür stand, war mein Entschluss gefasst: Das würde unser Sonntagskuchen werden!
Gewöhnlicher Käsekuchen bereitet mir wegen meiner Laktose-Intoleranz allerdings große Probleme. Glücklicherweise gibt es aber im gut sortierten Supermarkt oder im Bioladen mittlerweile für alle Milchprodukte eine laktosefreie Variante. Und da ich lieber mit Dinkelmehl backe als mit Weizenmehl, habe ich es immer im Haus. Also habe ich ein paar Zutaten ausgetauscht und meinem Appetit auf einen laktose- und weizenfreien Kuchen stand nichts mehr im Weg.
rhabarber 1
Für den Teig in einer Springform von 24 – 26 cm nahm ich folgende Zutaten:
200 g Dinkelmehl
75 g gemahlene Mandeln
1/2 TL Backpulver
1 Prise Salz
1 Eigelb (das Eiweiß kann mit in die Füllung)
100 g Rohrohrzucker
150 g sehr weiche Butter, nur wenn erforderlich, laktosefrei
Die Zutaten für die Füllung habe ich halbiert. Deshalb war mein Kuchen auch nicht so hoch wie der im ursprünglichen Rezept.
200 g Frischkäse, laktosefrei
100 g Schmand, laktosefrei
1 TL Pfeilwurzelmehl (oder Speisestärke)
1 Ei und das übrig gebliebene Eiweiß
Mark einer Vanilleschote
Abrieb einer Biozitrone
1 TL Zitronensaft
50 – 80 g Rohrohrzucker
250 g Rhabarber (fertig geputzt und gewogen)
Zubereitung:
Den Backofen auf 180 °C vorheizen. Die Backform einfetten.
Alle Zutaten für den Teig in eine Schüssel geben und mit dem Handrührgerät auf mittlerer Stufe zu einem streuseligen Teig verrühren.
Etwa 2/3 davon auf dem Boden verteilen und festdrücken (das geht besser, wenn man Frischhaltefolie auf den Teig legt und die Rückseite eines Löffels benutzt). Teig ein wenig am Rand hochziehen. Den Boden dann für 15 Minuten vorbacken. Restliche Teigstreusel kühl stellen.
In der Zwischenzeit den Rhabarber putzen und in 1 – 2 cm große Stücke schneiden.
Für die Füllung alle Zutaten zu einer glatten Creme verrühren. (Für mich muss die Füllung nicht sehr süß sein; deshalb habe ich nur 50 g Zucker verwendet. Wer es gerne süßer hat, nimmt entsprechend mehr Zucker und schmeckt die Creme einfach nach seinem Geschmack ab.)
Die Masse auf den Boden geben und glattstreichen. Den Rhabarber auf der Creme verteilen und etwas hineindrücken. Die restlichen Teigstreusel darüberstreuen.
Den Kuchen etwa 30 Minuten backen, bis er goldbraun ist.
Auf ein Gitter stellen und in der Form erkalten lassen. Wer mag, kann ihn vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben.
Am allerbesten schmeckt er mir übrigens, wenn er gerade eben abgekühlt ist.
 rhabarber 2
Ich gebe zu, dass ich zuerst ein wenig skeptisch war, weil die Käsemasse mit Frischkäse statt mit Quark zubereitet wird. Die amerikanische Variante des Käsekuchens hatte mich bisher geschmacklich nicht überzeugt. Dieser Kuchen aber ist perfekt, und es ist nun mein absoluter Lieblings-Rhabarberkuchen.
Das Originalrezept stammt von „Zimtkeks und Apfeltarte„.
Danke. liebe Andrea!
Ach ja, mein Mann, der Rhabarber hasst, hat übrigens auch ein Stück davon gegessen und fand es ebenfalls sehr lecker.